1:2-Pleite trotz Messi-Tor: Argentinien blamiert sich gegen Saudi-Arabien und verpasst Rekord

Saudi-Arabien hat gegen Turniermitfavorit Argentinien für die erste große Überraschung bei der Fußball-WM in Katar gesorgt. In Gruppe C gewann das Team von Trainer Hervé Renard gegen die Mannschaft um Superstar Lionel Messi trotz eines 0:1-Rückstands zur Pause 2:1.

Messi brachte Argentinien im Lusail Stadion per Foulelfmeter früh in Führung (10. Minute), nach der Pause drehten Saleh Al-Shehri (48.) und Salem Al-Dausari (53.) die Partie binnen fünf Minuten zugunsten des Außenseiters.

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Argentinien wurden in der ersten Halbzeit drei Tore nach Abseitspositionen aberkannt, auch nach dem Rückstand blieb die Albiceleste gegen die konsequent verteidigende Renard-Elf erfolglos.

Damit hat Argentinien das Einstellen des ersehnten Rekords, den nun weiterhin alleinig Italien hält, verpasst: Mit einem Remis wären die Südamerikaner im 37. Spiel in Serie ungeschlagen geblieben.

Es ist eine Situation, in der wir schon lange nicht mehr waren.

Lionel Messi

„Es gibt keine Entschuldigung. Wir müssen nun vereinter sein, als je zuvor“, sagte Messi nach dem Spiel. „Jetzt müssen wir zeigen, dass wir eine echte Mannschaft sind.“ Argentinien muss erstmals seit 20 Jahren wieder das Aus schon in der Gruppenphase fürchten. Noch besteht bei Spielen gegen Mexiko und Polen allerdings die Chance, es besser zu machen und Punkte für den Einzug ins Achtelfinale zu sammeln. 

„Es ist eine Situation, in der wir schon lange nicht mehr waren“, sagte Messi und nannte die Niederlage gegen die furios kämpfenden Männer aus Saudi-Arabien einen „schweren Schlag für uns alle“. Niemand bei den Argentiniern habe „damit gerechnet, so zu starten“.

Königshaus schlachtet Erfolg politisch aus

In Saudi-Arabien sorgte der Sensationssieg für euphorische Reaktionen. Saudische Medien bejubelten am Dienstag einen „historischen Sieg“ und ein „Heldenepos“. Besonders gefeiert wurde der saudische Torwart Mohammed Alowais, der mit seinen Paraden den Sieg gegen den haushohen Favoriten gesichert habe.

„Tausend, tausend Glückwünsche, Ihr Helden“, schrieb der saudische Sportminister Abdalasis bin Turki al-Faisal auf Twitter. Der Chef der saudischen Unterhaltungsbehörde, der einflussreiche Sportfunktionär Turki al-Schaich, gab den Eintritt zu drei Vergnügungsparks frei, um den Sieg zu feiern. 

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Anhänger des Königshauses versuchten den Erfolg auch politisch auszuschlachten. Sie verwiesen darauf, dass Kronprinz Mohammed bin Salman beim Empfang des Teams vor der WM keinen Druck aufgebaut und so den Weg für den Erfolg bereitet habe.

Der Thronfolger, Sohn des Königs Salman, ist der eigentlich starke Mann in Saudi-Arabien. International steht er wegen Menschenrechtsverletzungen stark in der Kritik. US-Geheimdienste beschuldigen ihn auch, für den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul durch ein Mordkommando aus Riad verantwortlich zu sein. (dpa, Tsp)

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