Das letzte Mal sahen ihn die Neandertaler: Wo der grüne Komet am Nachthimmel zu beobachten ist

Ein besonderer Besuch steht uns Ende des Monats bevor. Noch nicht mal ein Jahr ist es her, dass Astronomen einen bislang unbekannten Himmelskörper mit Kurs auf die Erde entdeckt haben. Nun wird der Komet C/2022 E3 (ZTF) Ende des Monats die Erde in dichtem Abstand passieren und vermutlich sogar mit bloßem Auge zu sehen sein. Der Komet zieht nur etwa alle 50.000 Jahre an Sonne und Erde vorbei, das letzte Mal konnten ihn also die Neandertaler bestaunen.

Der Komet besteht aus Eis und Staub und strahlt eine grünliche Aura aus. Er hat schätzungsweise einen Durchmesser von etwa einem Kilometer. Entdeckt wurde er im März vergangenen Jahres von der Zwicky Transient Facility (ZTF), einer astronomischen Weitfeld-Himmelsdurchmusterung am Samuel-Oschin-Teleskop am Palomar-Observatorium in Kalifornien, als er am Jupiter vorbeizog.

Unter guten Bedingungen wird es eventuell für eine Naked-eye-Beobachtung reichen.

Axel Schwope, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP)

Nach längerer Zeit ist C/2022 E3 (ZTF) der erste Komet, der vermutlich hell genug ist, um mit bloßem Auge beobachtet werden zu können. Im Vergleich mit anderen Kometen rangiert C/2022 E3 (ZTF) in Sachen Helligkeit auf der Magnitudenskala von 1 bis 6 mit 5,6 am hinteren Ende, er ist also gerade noch sichtbar.

Am besten wird er auf der Nordhalbkugel zu sehen sein. „Dann könnte es unter guten Bedingungen eventuell für eine Naked-eye-Beobachtung reichen“, sagte der Astronom Axel Schwope vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) dem Tagesspiegel. „Mit einem Feldstecher wird es auf jeden Fall gehen.“

Der leuchtende Staubschweif des Kometen Hale-Bopp am im April 1997 am Nachthimmel über Glastonbury (Großbritannien).
Der leuchtende Staubschweif des Kometen Hale-Bopp am im April 1997 am Nachthimmel über Glastonbury (Großbritannien).
© dpa / Barry_Batchelor

Zuerst wird der Komet am Morgenhimmel erscheinen, dann aber nahe dem Polarstern hoch am Himmel stehen. „Seine größte Helligkeit erreicht er etwa am 31. Januar oder in den ersten Februartagen“, schätzt Schwope, wenn der Komet zwischen den Sternbildern Kleiner und Großer Bär sowie Giraffe vorbeizieht. „Dann steht er zirkumpolar, also so weit nördlich, dass er im Prinzip die ganze Nacht über hoch am Himmel sichtbar ist“, so Schwope.

Mitte Februar verschwindet der Komet schließlich aus unserem Sichtfeld. Schwope empfiehlt zum Aufsuchen des Himmelskörpers eine der mittlerweile verfügbaren Handy-Apps wie beispielsweise „Stellarium“. „Einfach in den Himmel halten, dann werden einem die Sternbilder angezeigt.“

Gegenwärtig ist der Schweifkomet bereits mit dem Fernglas gut zu erspähen. Natürlich nur bei klarem Himmel, den es zumindest in der Region Berlin der letzten Januarwoche aufgrund der Wetterlage aber nur selten geben dürfte. In dieser Zeit zieht der Komet nachts zwischen dem Sternbild Kleiner und Großer Wagen hindurch. Ende des Monats wird er dann zwischen dem Großen Wagen und dem Polarstern zu finden sein. Wer nach Nordosten schaut und den Blick nach oben richtet, kann den grünen Vagabunden dann hoch am Himmel entdecken.

Da Helligkeit des Kometen bis zum Monatsende noch etwas zunimmt, ist nicht ausgeschlossen, dass er an dunklen Orten auch mit dem bloßen Auge sichtbar wird. Mit zunehmendem Mond Anfang Februar wird dann das Mondlicht allerdings immer heller, was die Beobachtung stören dürfte. Mit abnehmendem Mond wird es dann Mitte Februar zwar wieder dunkler am Himmel, doch C/2022 E3 (ZTF) entfernt sich dann immer weiter von uns und wird dann nur noch mit Hilfsmitteln zu sehen sein.

42 Millionen Kilometer von der Erde entfernt

Der Sonne kam der eisige Komet am 12. Januar mit 166 Millionen Kilometern am nächsten, der Erde wird er mit 42 Millionen Kilometern am 1. Februar am nächsten sein. Die nächste Gelegenheit für eine gute Sichtung ist dann um den 10. Februar, wenn er in der Nähe des Mars vorbeizieht. Auch Überraschungen sind nicht ausgeschlossen: C/2022 E3 (ZTF) könnte doppelt so hell sein wie erwartet, schätzt Nicolas Biver, Astrophysiker am Pariser Observatorium. So hell wie sicher der Komet Neowise, der im Sommer 2020 auch für das bloße Auge deutlich sichtbar war, dürfte der grüne Komet allerdings nicht werden, der leuchtet gut zehnmal so hell.

Jeder Komet spielt eine spezielle Rolle.

Axel Schwope, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP)

Für Astronomen sind Kometen aber auch ohne spektakuläre Himmelsbeobachtungen von großem Interesse. Denn jeder Komet bildet einen anderen Schweif aus, erklärt Schwope. Dessen Ausdehnung und Orientierung lassen im Zusammenspiel mit dem Sonnenwind für Astronomen Rückschlüsse auf die Verhältnisse in unserem Sonnensystem zu – so ergeben sich möglicherweise Antworten auf wichtige Fragen. „Da spielt jeder Komet eine spezielle Rolle.“

Auch Thomas Prince, Physikprofessor am California Institute of Technology, der an der Zwicky Transient Facility arbeitet, erwartet, dass der „seltene Besucher“ uns Informationen über unser Sonnensystem „weit über die entferntesten Planeten hinaus“ geben kann.

50.000

Jahre wird es dauern, bis der Komet wieder an der Erde vorbeiziehen wird

Der Komet stammt vermutlich aus der Oortschen Wolke, die das Sonnensystem umgibt und reichlich unbekannte eisige Objekte beherbergt. Er ist mit seinem einem Kilometer Durchmesser deutlich kleiner als der Fünf-Kilometer-Komet „Neowise“, der im März 2020 gut sichtbar die Erde passierte. Viel größer noch war der 60-Kilometer-Riese Hale-Bopp, der 1997 zu sehen war. Bei einer Kollision mit der Erde hätte er die nötige Wucht gehabt, um das Leben auf der Erde auszulöschen.

Wie gefährlich die Passage ist

Immerhin aber wird C/2022 E3 (ZTF) der Erde näher kommen als seine beiden Vorläufer. Der Komet hat den größten Teil seine Existenz in weiter Ferne von der Erde verbracht, „mindestens 2500 Mal weiter entfernt als die Erde von der Sonne“, erklärte Zwicky-Forscher Prince. Ob C/2022 E3 (ZTF) nach seinem jetzigen Gastspiel in 50.000 Jahren wiederkommen wird, steht in den Sternen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass er in der Zwischenzeit dauerhaft aus dem Sonnensystem ausgestoßen wird.

Gefährlich nahe wird der Eiskomet C/2022 E3 (ZTF) diesmal der Erde aber nicht kommen, wie Schwope erklärt. Die 42 Millionen Kilometer Abstand Anfang Februar sind nicht wirklich dicht. So schoss etwa der kleine Asteroid 2011 ES4 vor zweieinhalb Jahren in einer Entfernung von nur 122.000 Kilometern an unserem Planeten vorbei, was gerade mal einem Drittel der Distanz zwischen Erde und Mond entspricht.

Für mögliche Kollisionen gibt es andere Kandidaten wie etwa den Asteroiden „Apophis“ . Lange wurde angenommen, dass er die Erde bereits im Jahr 2068 treffen könnte. Nach neusten Berechnungen schließen Esa und Nasa für die kommenden 100 Jahre allerdings „jeglichen möglichen Einschlag“ aus. Ein Risiko für einen solchen Treffer bleibt aber immer, werden doch einige der Kometen auf Erdkurs erst im letzten Moment entdeckt, wie nun auch im Fall von C/2022 E3 (ZTF).

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