Hertha BSC trifft auf den SC Freiburg: Zurück zum Sport

An diesem Sonntag, nachmittags um halb sechs, bestreiten die Profis von Hertha BSC ein Fußballspiel. Das ist eine reichlich banale Feststellung, weil Hertha BSC – in erster Linie – ein Fußballverein ist und das Fußballspielen folglich dessen Kerngeschäft. Im Prinzip zumindest.

Wie immer zwei Tage vor einem Spiel kommt Sandro Schwarz am Freitagmittag zur Pressekonferenz. Noch bevor er auf dem Podium Platz nimmt, sagt er, wie sehr er sich auf die sportlichen Fragen freue. Das Lächeln kann er sich dabei nicht verkneifen.

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Bei Hertha BSC ging es in den Tagen um viele verschiedene Themen: um Spionage und Denunziation, um Geheimagenten und Investoren, um Anteilsverkaufe und Unternehmenswerte. Um eins aber ging es allenfalls am Rande: um Sport.

Herthas Spieler waren am Mittwochnachmittag gerade dabei, sich auf das Training vorzubereiten, als Lars Windhorst auf seinem Facebook-Account eine Erklärung verbreitete, die rund um den Klub ein Beben auslöste.

Windhorst ist Mehrheitseigner an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, hat für 374 Millionen Euro 64,7 Prozent an der Kommanditgesellschaft auf Aktien erworben. Am Mittwoch nun verkündete er, dass er, salopp gesprochen, keinen Bock mehr auf Hertha hat.

Seitdem ist die Hertha-Welt in Aufruhr, nur bei der Mannschaft kommen die Wellen und Schwingungen offenbar nicht an. Sagt zumindest ihr Trainer Sandro Schwarz.

Auf die Stimmung im Klub angesprochen, antwortet er: „Sportlich gesehen gibt es keine Veränderung, um ehrlich zu sein. Wir haben ganz normal unseren Alltag. Für uns hat es keine Auswirkungen für das, was auf dem Platz passiert.“

Es ist nicht so, dass die Spieler und Trainer die Ereignisse komplett ignorieren können. In den vergangenen Tagen wurde rund um Hertha schließlich über kaum etwas anderes berichtet. 

„Für uns spielt das keine Rolle“, sagt Trainer Schwarz

Zuerst ging es um die mutmaßliche Kampagne, mit der Windhorst den damaligen Präsidenten Werner Gegenbauer stürzen wollte, dann um den Ausstieg des Investors und um die Konsequenzen für den Verein.

Auch Schwarz hat in den vergangenen Tagen viele Nachrichten bekommen. „Klar kriegen wir das große Thema mit, das in den letzten Tagen hochgekommen ist“, sagt er vor dem Spiel am Sonntag gegen den SC Freiburg. Aber er habe großes Vertrauen ins Präsidium und in die Geschäftsführung. „Es muss sich keiner Gedanken machen“, erklärt Herthas Trainer. „In unseren Arbeitsabläufen spielt das keine Rolle. Wir können arbeiten, fleißig sein. Von daher: alles gut.“

So ähnlich hat er sich auch schon am Wochenende geäußert, kurz nachdem bekannt geworden war, dass Windhorst eine Wirtschaftsdetektei aus Israel eingespannt haben soll, um Gegenbauer zu stürzen. Der Investor bestreitet diesen Vorwurf, aber die Geschichte hat viel Aufsehen erregt.

Selbst Schwarz bezeichnet sie als „sehr befremdlich“, und doch hat sich seine Mannschaft als schockresistent erwiesen. Am Sonntag rang sie der TSG Hoffenheim, zu diesem Zeitpunkt Tabellenvierter, immerhin ein Unentschieden ab.

Mit Freiburg kommt nun ein Gegner von ähnlicher Qualität ins Olympiastadion, „eine Mannschaft, die sehr aggressiv, sehr gut verteidigt, aber auch gute fußballerische Lösungen hat“, wie Schwarz sagt. Es ist das Duell der beiden Teams, die in der Bundesliga aktuell am längsten ungeschlagen sind: Freiburg seit sechs Spielen, Hertha immerhin seit vier.

Rogel spielt gegen Freiburg von Beginn an

Doch während der Sportclub punktgleich mit Spitzenreiter Union auf Platz zwei der Tabelle liegt, bewegen sich die Berliner mal wieder am Rande der Abstiegszone. Leistung und Ertrag standen in dieser Spielzeit nicht immer im Einklang. „Wir haben den einen oder anderen Punkt liegen lassen“, sagt Schwarz. „Da gehen wir auch selbstkritisch mit um.“

Ein Sieg gegen Freiburg wäre nicht nur der erste Heimsieg der Saison, sondern auch für die Tabellensituation ein Segen. Andernfalls könnten sich bei Hertha zu den ungemütlichen außersportlichen Themen bald auch ungemütliche sportliche Themen gesellen.

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Schwarz muss allerdings auf Innenverteidiger Filip Uremovic verzichten, der sich vor einer Woche eine Fußprellung zugezogen hat und gegen Hoffenheim zur Pause in der Kabine bleiben musste. Für ihn spielt Agustin Rogel, der ihn schon gegen die TSG ersetzte.

„Er hat es sehr gut gemacht“, sagte Schwarz über den 24 Jahre alten Verteidiger aus Uruguay, der nach langem Warten endlich zu seinem Debüt in der Bundesliga kam.

Rogel hinterließ in seinen ersten 45 Minuten für Hertha einen äußerst positiven Eindruck, wirkte so robust und abgeklärt, dass er Uremovic den Platz in der Startelf auch auf Dauer streitig machen könnte. Nach Lage der Dinge ist der Wechsel auf der Innenverteidigerposition alles andere als eine Schwächung für Herthas Mannschaft.

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