Kreml manipuliert erfolgreich: ISW: Russland würde verlieren, wenn Westen Ressourcen nutzt

Kreml manipuliert erfolgreich: ISW: Russland würde verlieren, wenn Westen Ressourcen nutzt
Durch: Politik Erstellt am: März 27, 2024 anzeigen: 15

Militärexperten vom Institut für Kriegsstudien zählen die westlichen Verbündeten in einer Analyse deutlich an. Russland könne den Krieg überhaupt nicht gewinnen, heißt es, wenn der Westen "aufstehen" würde. Viel zu oft falle man hingegen auf die einzige Siegesstrategie des Kremls herein.

Die Militärexperten Nataliya Bugayova, Frederick Kagan und Kateryna Stepanenko vom US-amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) halten Russland für nicht siegfähig in der Ukraine - sofern der Westen seine Möglichkeiten nutzt. In einer aktuellen Analyse heißt es von den Wissenschaftlern: "Russland kann die Ukraine oder den Westen nicht besiegen - und würde wahrscheinlich verlieren -, wenn der Westen seine Ressourcen mobilisiert."

So würde sich das Bruttoinlandsprodukt der NATO-Staaten, der Nicht-NATO-Staaten der EU und den asiatischen Verbündeten auf mehr als 63 Billionen US-Dollar belaufen, das russische hingegen nur auf 1,9 Billionen Dollar. Eine ähnliche Feststellung machte auch schon der russische Ex-Präsident Medwedew - und drohte angesichts dieser Stärke bei einem Krieg mit dem Westen mit einem Atomschlag. Russlands Verbündete Iran, Nordkorea und China würden laut der Analyse des ISW "nur wenig zur materiellen Unterstützung" beitragen. "China unterstützt Russland, aber es wird nicht für Russland mobilisiert."

"Manipulation ist die einzige Strategie, um zu gewinnen"

Die Forscher vom ISW bemängeln die ihrer Ansicht nach häufig erfolgreichen Informationskampagnen aus Moskau. "Die russische Strategie, auf die es am meisten ankommt, ist, uns dazu zu bringen, die Welt so zu sehen, wie der Kreml sie sehen möchte", so die US-Denkfabrik. Dazu gehöre die Behauptung, der Krieg sei aufgrund der russischen Dominanz nicht zu gewinnen. Sie ziele darauf ab, die Vereinigten Staaten ins Abseits zu drängen, damit Russland die Ukraine isoliert bekämpfen könne.

Ein solches "Abseits" könnte entstehen, wenn Donald Trump die Präsidentschaftswahl in den USA gewinnt und die US-Unterstützung einstellt. Aktuell blockieren die Republikaner im Repräsentantenhaus bereits Hilfen in Höhe von fast 60 Milliarden Dollar. Die Unterstützung wird als essenziell für die weitere Verteidigungsfähigkeit der Ukraine angesehen.

Manipulationen aus Moskau würden laut ISW teilweise erfolgreich auf "das gesamte Spektrum derjenigen abzielen, die Entscheidungen treffen oder darüber informieren", also Politiker und Medien. Selbst Lügen von Wladimir Putin, dass der NATO-Beitritt der Ukraine eine Gefahr für Russland darstelle, die Ukraine kein echtes Land sei oder Russland das Recht habe, in bestimmten Einflusssphären machen zu können, was es wolle, hätten laut ISW Erfolg.

"Die Manipulation der Wahrnehmung ist eine der Kernfähigkeiten des Kremls, die mit voller Wucht auf die westliche Öffentlichkeit losgelassen wird, da dies die einzige Strategie des Kremls ist, um in der Ukraine zu gewinnen. Das ist keine Herausforderung, der die meisten Gesellschaften gewachsen sind." Für die Vereinigten Staaten sei es einfacher, die Manipulationen zu überwinden, als für Russland, die massive Lücke zwischen seinen Kriegszielen und seinen tatsächlichen Fähigkeiten zu schließen.

ISW: Atomwaffeneinsatz "unwahrscheinlich"

Moskau wolle primär die Bereitstellung militärischer Hilfen durch die USA verzögern, schreiben die Wissenschaftler. Deswegen verstärke es Erzählungen über die Gefahren der Bereitstellung - zum Beispiel durch nukleare Erpressung und "andere zweideutige Drohungen". So hätten Informationskampagnen im Herbst 2022 darauf abgezielt, die Bereitstellung von Panzern und anderen wichtigen Fähigkeiten durch den Westen an die Ukraine zu verzögern - laut Ansicht der Militärexperten mit Folgen.

"Das Versäumnis der USA, die Initiative der Ukraine nach zwei erfolgreichen, aufeinanderfolgenden Gegenoffensiven im Herbst 2022 proaktiv zu unterstützen, trug dazu bei, dass die Ukraine die Gelegenheit verpasste, im Winter eine dritte Gegenoffensive durchzuführen." Dadurch habe Russlands seine Verteidigungsanlagen aufbauen können.

Auch das Zögern des Westens, der Ukraine Waffen mit der größten Reichweite zur Verfügung zu stellen - etwa den deutschen Taurus - ist laut ISW zurückzuführen auf die "Kreml geschürte Befürchtung, dass die Ukraine diese Systeme nutzen könnte, um Ziele in Russland anzugreifen und damit eine nicht näher spezifizierte Eskalation zu provozieren". In Deutschland warnt Bundeskanzler Scholz immer wieder vor einer Kriegsbeteiligung, sollte der Taurus geliefert werden.

Die Wissenschaftler halten es für "unwahrscheinlich", dass Putin wirklich Atomwaffen einsetzen wird, "nur um ukrainische Schläge in Russland mit westlichen Raketen zu vergelten". Dies habe er auch bei ukrainischen Drohnenangriffen auf russisches Territorium nicht getan. Die Drohung mit einer nuklearen Eskalation werde jedoch auch weiterhin das Kernstück der russischen Wahrnehmungsmanipulation sein, schreiben Nataliya Bugayova, Frederick Kagan und Kateryna Stepanenko.

"Westen verhält sich wie eine Maus"

Nach Ansicht der Militärexperten wäre ein Scheitern in der Ukraine katastrophal für den Westen. "Ein siegreiches Russland ist ein schnellerer Weg zu einem Krieg zwischen Russland und der NATO als eine siegreiche Ukraine. Schließlich wäre ein Sieg Russlands in der Ukraine ein überzeugendes Argument für die Wirksamkeit nuklearer Erpressung.

Das ISW sieht den Westen im Krieg im Vorteil, dieser müsse sich jedoch entscheiden, diesen zu nutzen. Er sei ein "Riese, der sich gegenüber Russland bisweilen wie eine Maus verhält. Alles, was er tun muss, ist aufzustehen". Der Kreml habe zwar bei Weitem nicht alle seine Ressourcen mobilisiert, jedoch einen Großteil davon - und mehr als der Westen für die Ukraine.

Die Eroberungen von 18 Prozent des ukrainischen Territoriums hätten Russland laut ISW "einen enormen Preis" gekostet. Putin werde weiter mobilisieren, aber Russlands Kapazitäten seien weder unbegrenzt noch ohne Kosten.

Abschließend fordern die Militärexperten vom Westen, ausreichend sofortige Militärhilfen für die Ukraine bereitzustellen, Kiew beim Ausbau der ukrainischen Verteidigungsindustrie zu helfen und Angriffe auf militärische Ziele in Russland möglich zu machen.

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