Gazas größtes Krankenhaus: Armee verlässt vollständig zerstörten Klinik-Komplex

Gazas größtes Krankenhaus: Armee verlässt vollständig zerstörten Klinik-Komplex
Durch: Politik Erstellt am: April 01, 2024 anzeigen: 13

Für Israels Regierung ist es ein Erfolg, für die Palästinenser eine Katastrophe. Zwei Wochen lang wurde im Al-Schifa-Krankenhaus gekämpft. Laut Ministerpräsident Netanjahu tötet die Armee 200 mutmaßliche Terroristen und nimmt Hunderte weitere fest. Zurück bleiben Bilder apokalyptischer Verwüstung.

Nach zweiwöchigen Gefechten hat die israelische Armee ihren Einsatz in der größten Klinik des Gazastreifens beendet. Auf Fotos und Fernsehbildern ist zu sehen, dass der Gebäudekomplex des Al-Schifa-Krankenhauses weitgehend zerstört ist. Laut dem von der Hamas kontrollierten Zivilschutz wurden im und um das Krankenhaus im Zentrum von Gaza-Stadt Dutzende Leichen gefunden. Manchen Angaben zufolge war von 300 aufgefunden Toten die Rede. In sozialen Medien verbreitetes Filmmaterial und Fotos von Nachrichtenagenturen zeigen Leichen toter Palästinenser rund um die Ruinen des Krankenhausgebäudes. Die israelische Armee bestätigte das Ende ihres Einsatzes am und im Krankenhaus, der sich gegen dort verschanzte, mutmaßliche hochrangige Hamas-Mitglieder gerichtet habe.

Bei dem Einsatz seien mehr als 200 Terroristen getötet worden, teilte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mit. Hunderte weitere hätten sich ergeben. Zudem seien große Vorräte an Waffen, Sprengstoffen und Bargeld entdeckt worden, teilte die Armee mit. Israels Armee betonte, der Einsatz im Al-Schifa-Krankenhaus habe "unter Vermeidung von Schaden für Zivilisten, Patienten und medizinische Teams" stattgefunden. Nach Aussagen von Ärzten und der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde ist der Klinik-Komplex dagegen vollständig zerstört. Im Gazastreifen mit seinen mehr als zwei Millionen Einwohnern sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO nur noch zehn Krankenhäuser funktionsfähig. Vor dem Krieg gab es in dem Gebiet 36 Krankenhäuser.

Luftangriff auf weitere Klinik

Die israelische Armee hatte am 18. März seinen zweiten Angriff im Al-Schifa-Krankenhaus in diesem Krieg gestartet. Die Soldaten hatten bereits im November einen Einsatz in der Al-Schifa-Klinik ausgeführt und damit internationale Kritik hervorgerufen. Seitdem war die Hamas nach israelischer Darstellung erneut mit Kämpfern in das Krankenhaus zurückgekehrt. Israel beschuldigt die Hamas, Zivilisten als menschliche Schutzschilde und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen für ihre Infrastruktur zu nutzen, unter anderem als Kommandozentralen und Waffenlager.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zufolge wurden zudem bei einem israelischen Luftangriff auf ein Zeltlager auf dem Gelände des Al-Aksa-Krankenhauses im Zentrum des Gazastreifens vier Menschen getötet und 17 weitere verletzt. Die israelische Armee erklärte hingegen auf X, der Angriff habe einem "Kommandozentrum des Islamischen Dschihad" auf dem Gelände der Klinik gegolten, das Krankenhausgebäude sei nicht beschädigt und der Betrieb nicht beeinträchtigt worden.

Proteste gegen Netanjahu für Deal mit Hamas

Netanjahu lobte den Militäreinsatz in der Al-Schifa-Klinik als Erfolg. Doch bekommt der konservative Politiker fast sechs Monate nach Beginn des Gaza-Kriegs in Israel viel Gegenwind: Zehntausende Demonstranten forderten bei wütenden Protesten am Sonntagabend in Jerusalem den Rücktritt seiner Regierung, eine Neuwahl sowie einen raschen Deal zur Freilassung der Dutzenden Geiseln, die seit Oktober in der Gewalt der Hamas sind. Nach Medienberichten war es die größte regierungskritische Kundgebung seit Monaten.

Vor dem Parlament in Jerusalem bauten Demonstranten mehr als 100 Protestzelte auf. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel begangen hatten. Dabei wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Im Gazastreifen wurden seit Kriegsbeginn nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde 32.845 Menschen getötet und mehr als 75.000 weitere verletzt. Die Zivilbevölkerung leidet nicht nur unter den Luftangriffen und andauernden Kämpfen am Boden, es mangelt auch am Nötigsten: Die Menschen haben kaum mehr Lebensmittel und Medikamente.

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