Drama, Dreikampf, Denkmal: Plötzlich bedroht Timo Werner den großen Traum des Jürgen Klopp

Drama, Dreikampf, Denkmal: Plötzlich bedroht Timo Werner den großen Traum des Jürgen Klopp
Durch: Sport Erstellt am: April 01, 2024 anzeigen: 7

Ein dramatischer Meisterschafts-Dreikampf entfaltet sich in England. Während Jürgen Klopp seinen Abschied beim FC Liverpool mit dem Titel krönen will, ist der FC Arsenal erwachsen geworden und Manchester City nie abzuschreiben. Und dann ist da plötzlich Timo Werner als Königsmacher.

67. 65. 64. Das Rennen um die Fußball-Meisterschaft in England ist so spannend wie seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr, das zeigt allein diese absurd enge Punkteauflistung. Nach 29 Spielen führt der FC Liverpool die Tabelle der Premier League hauchzart vor dem FC Arsenal London und Titelverteidiger Manchester City an. Der Titel kann auch mit den intelligentesten AI-Rechenmodellen kaum vorhergesagt werden.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren kommt es zu einem Dreikampf um den Titel. Diese sind historisch selten. Und alle drei Topteams befinden sich in bestechender Form, Drama für die restlichen neun Partien ist vorprogrammiert. Ausgerechnet ein deutscher Nationalspieler außer Dienst könnte entscheidend eingreifen in den Titelkampf. Und über den großen Traum von Jürgen Klopp entscheiden.

Dieser ist seit dem vergangenen Wochenende lebendiger denn je. Klopps Liverpool besiegte nach Rückstand Angstgegner Brighton & Hove Albion und der deutsche Trainer wird sich womöglich mit seiner zweiten Meisterschaft zum Ende der Saison von seinen Reds verabschieden können. "Ich bin echt happy, wie wir das hingekriegt haben, drei Punkte, weiter geht's", sagte der hervorragend gelaunte Teammanager nach dem Erfolg am Sonntag.

"Viertligaspieler" Haaland, Königsmacher Werner

Da Arsenal und City sich Unentschieden trennten und "Viertligaspieler" Erling Haaland (harsche Kritik von Manchester-United-Ikone Roy Keane am besten Torjäger der Premier League) mal wieder keinen Treffer erzielte (zwei Tore in den letzten sechs Partien), hat die Mannschaft von Klopp nun die Nase vorn im Dreikampf und alle Trümpfe in der eigenen Hand. Klopp hatte sich mit einem Augenzwinkern gewünscht, dass "beide verlieren", aber das Remis samt Tabellenführung wird er auch dankend angenommen haben.

Aber dann ist da ja noch Timo Werner. In der Winterpause flüchtete dieser von RB Leipzig zurück auf die Insel, wo er zuvor für den FC Chelsea gekickt hatte. In den Diensten von Tottenham Hotspur könnte der (ehemalige) Nationalstürmer (letzte DFB-Partie im Juni 2023 unter Hansi Flick, Julian Nagelsmann räumt ihm aber noch Chancen für die EM ein) nun das Zünglein an der Titel-Dreikampf-Waage sein. Denn die Spurs, derzeit starker Fünfter in der Premier League mit der Hoffnung auf die direkte Qualifikation für die Champions League, treten noch gegen alle drei Meisterschaftskandidaten an. Sie werden zu einer Art Königsmacher. Zwar wird er bei seinem neuen Klub kritisch beäugt, aber Werner traf in den vergangenen vier Spielen zweimal. Natürlich können Heung-min Son (15 Saisontore) und Richarlison (11) den Top 3 genauso wehtun.

Als die Saison noch in den Kinderschuhen steckte, sah es so aus, als ob die Mannschaft von Ange Postecoglou mit den Großen mithalten könnte. Nun haben sich Werner und Co. aus dem Titelrennen verabschiedet, aber haben dennoch ein Wörtchen mitzureden. Pep Guardiolas Männer in Himmelblau sollten am 20. April als Erstes auf die Spurs treffen, doch weil die Citizens im Halbfinale des FA Cups spielen, wurde die Partie verschoben. Dennoch ist sich der Titelverteidiger der blutigen Nase bewusst, die ihm sein ständiger Angstgegner einbringen könnte. In den letzten fünf Begegnungen in der Premier League hat City nur einmal gegen Tottenham gewonnen, dreimal verloren und beim Aufeinandertreffen Anfang Dezember 3:3 gespielt. Ende April muss Arsenal zu den Spurs, auch Kai Havertz und Co. gelang im Hinspiel nur ein Remis.

Klopp will den kitschigen Abschied

Eine Woche darauf empfängt der FC Liverpool Postecoglous Team und Werner könnte Klopp kurz vor der Ziellinie noch ärgern. Die Reds sind der einzige Top-Drei-Klub, den die Spurs in dieser Saison bereits geschlagen haben, wenn auch unter äußerst umstrittenen VAR-Umständen samt Luis Diaz' zu Unrecht aberkannten Tores für Liverpool. Gleichwohl dürfte Klopp, mit ordentlich Wut im Bauch, das Rückspiel in Anfield im Kalender rot markiert haben. Und die Partie eine Woche später gleich mit, denn da geht es für seine Mannschaft zu Aston Villa, dem aktuell Viertplatzierten der Premier League, der auch noch gegen die anderen beiden der Top 3 antritt. Weil unter den letzten neun Duellen auch noch das Merseyside Derby beim FC Everton und die komplizierte Aufgabe bei Erzrivale Manchester United wartet, gilt das Restprogramm für die Reds als das schwierigste im Dreikampf um die Meisterschaft.

Rein statistisch gesehen hat Liverpool nun mit zwei beziehungsweise drei Punkten mehr als die Verfolger (dazu das bessere Torverhältnis als City) die besten Chancen auf den Titel. Um den großen Abschied Klopps, der ohnehin emotional wird, in einen kitschigen Traum zu verwandeln. Um dem ohnehin Unsterblichen ein finales Denkmal zu bauen. Alle Titel wollten die Spieler des deutschen Trainers ihm zu seinem letzten Saisonfinale schenken, der FA Cup ist nach dem Aus im Viertelfinale gegen Manchester United schon weg. Die Meisterschaft in der letzten Spielzeit wäre das i-Tüpfelchen auf die große Coachingkarriere Klopps bei den Reds.

Klopp und Co. werden aber nicht nur vor Werner und seinen Spurs gewarnt sein, sondern auch vor Guardiola und Manchester City. Trotz drei Punkten Rückstand. Denn in den vergangenen Jahren waren die Himmelblauen stets die Konstantesten auf der Zielgeraden, selbst wenn Haaland derzeit angeblich "armselig" (wieder Keane) spielt. Der FC Arsenal, Gegner von Bayern München im Viertelfinale der Champions League, hat derweil seit acht Ligapartien nicht verloren (sieben Siege) und seit dem vergangenen und erfolglosen Meisterschaftskampf an wichtiger Erfahrung gewonnen. Die Gunners wissen, wie man die Fehler des letzten Jahres vermeidet (siehe Punktgewinn bei City) und sehen mehr denn je wie ein echter Titelanwärter aus.

Historisch enger Dreikampf

Spannung und Drama im historischen Schlussspurt. "Dies ist eine der besten Premier-League-Saisons, die wir je erleben werden. Drei fantastische Teams", jubelte vor knapp einem Monat bereits Tottenhams ehemaliger Profi Jamie Redknapp. Man muss genau ein Jahrzehnt zurückgehen, bis zur Saison 2013/14, für das letzte enge Titelrennen mit mehr als zwei Teams in England. Davor war die Spielzeit 2007/08 der einzige andere Dreikampf im 21. Jahrhundert.

In Deutschland sieht es übrigens nicht besser aus. Hier hat die Dominanz des FC Bayern dazu geführt, dass es seit 2008/09 nur ein einziges Mal dazu kam, dass den Ersten und den Dritten höchstens fünf Punkte trennten. Das war in der letzten Saison, als Borussia Dortmund am letzten Spieltag die Meisterschaft verspielte, München zum elften Mal in Folge jubelte und RB Leipzig Dritter wurde. Ein echter Dreikampf war es aber im Saisonendspurt nie, bis zum 30. Spieltag hatte eher noch Union Berlin als die Sachsen oben mitgemischt.

Für die Premier League bedeutet die diesjährige Ausnahme der Regel, dass das englische Oberhaus zu einer immer ungleicheren Liga wird - zu einem noch krasseren Ausmaß als die Bundesliga, wo es Krösus Bayern und den Rest gibt. Nicht nur die Abstände zwischen den Big 6 und den restlichen Teams sorgen dafür, dass es immer unwahrscheinlicher wird, dass mehrere Mannschaften am Ende der Saison Kopf an Kopf liegen. Auch die Unterschiede zwischen den Top-Teams wachsen an: Liverpools Gehaltskosten in Höhe von rund 159 Millionen Euro entsprechen etwa zwei Dritteln von Manchester Citys Gehaltskosten (241 Millionen), während Arsenals Gehaltskosten (194 Millionen) etwas mehr als drei Vierteln entsprechen. In der Saison 2000/01 lagen die Gehaltskosten der vier größten Vereine alle innerhalb von gut acht Millionen Euro.

Klopps Strich durch die Rechnung

Sollte Liverpool dennoch zur Meisterschaft marschieren, der zweiten unter Klopp, wäre das ein weiterer Beweis für seine großartige Arbeit bei den Reds. Allerdings, ein Blick in die Historie verheißt nichts Gutes für Klopps Mannschaft. Beim letzten Premier-League-Dreikampf 2014 führte der FC Chelsea die Tabelle nach 29 Spieltagen an, mit Liverpool, Arsenal und City in den Verfolgerrollen. Kurz vor Ende der Saison sah es so aus, als würde der Titel an die Reds gehen, der das 24-jährige Warten auf die 19. Meisterschaft beendet hätte. Dann rutschte Steven Gerrards gegen Chelsea mittlerweile berüchtigter weise in der eigenen Hälfte aus, der Ball kullerte in den Lauf von Stürmer Demba Ba, der für die Blues zum Sieg einschoss - und City gewann die Liga. Zwei Punkte vor Liverpool. Bei den Liga-Titeln 2018/19 und 2021/22 lagen die Skyblues jeweils nur einen mickrigen Zähler vor den Reds.

Jürgen Klopp will der Geschichte einen Strich durch die Rechnung machen. Er jubelte bereits 2020, sicherte seinem Klub die lang ersehnte Meisterschaft. Und der Trainer möchte auch diesmal die Konkurrenz ausstechen, in gewohnt emotionaler Art und Weise. Für seinen letzten großen Traum mit den Reds. Für den perfekten Abschied. Timo Werner zum Trotz.

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