Iran beschuldigt Israel, zwei ranghohe Generäle getötet zu haben. Die Todesfälle könnten eine Eskalation im Nahostkonflikt markieren

Iran beschuldigt Israel, zwei ranghohe Generäle getötet zu haben. Die Todesfälle könnten eine Eskalation im Nahostkonflikt markieren
Durch: International Erstellt am: April 01, 2024 anzeigen: 12

Mohammed Reza Zahedi gehörte zu den wichtigsten Kommandanten der iranischen Revolutionsgarden. Derweil hat die israelische Armee ihre Truppen aus dem grössten Spital des Gazastreifens abgezogen.

Ein Gebäude, das zur iranischen Botschaft in Damaskus gehört, wurde am Montag völlig zerstört.

Firas Makdesi / Reuters

Die israelische Armee hat am Osterwochenende erneut verschiedene Ziele in Libanon und in Syrien bombardiert. Dabei sollen in Aleppo Dutzende Hizbullah-Kämpfer und syrische Soldaten ums Leben gekommen sein. Am Montag soll zudem bei einem angeblichen israelischen Luftangriff ein Gebäude der iranischen Botschaft in Damaskus getroffen worden sein. Unter den sechs Toten ist offenbar auch Mohammed Reza Zahedi, einer der höchsten Kommandanten der iranischen Revolutionsgarden. Dies berichten iranische Medien sowie die Nachrichtenagentur Reuters. Auch Zahedis Stellvertreter, Mohammad Hadi Haji, sei ums Leben gekommen, erklärten die IRGC am Abend.

Der iranische Aussenminister Hossein Amir Abdollahian machte umgehend Israel für den Angriff verantwortlich. Ein israelischer Militärsprecher teilte derweil mit, man kommentiere ausländische Medienberichte nicht.

Manche Beobachter fürchten, dass dies ein weiterer Schritt zu einer Eskalation an der Grenze zu Libanon darstellen könnte, wo der von Iran unterstützte Hizbullah am 8. Oktober zur Unterstützung der Hamas eine zweite Front gegen Israel eröffnet hatte. Seither beschiessen sich die beiden Seiten über die gemeinsame Grenze hinweg. Israel gelang es dabei, dem Hizbullah empfindliche Verluste zuzufügen. Inzwischen sollen bis zu 250 Kämpfer der Schiitenmiliz gefallen sein – unter ihnen auch Mitglieder der gefürchteten Radwan-Eliteeinheiten und hohe Kommandanten. Israel hat zuletzt immer wieder damit gedroht, seine Militäroperation an der Grenze auszuweiten.

Demonstrationen und neue Gespräche

Ob Israels Öffentlichkeit eine solche Offensive aber mittragen würde, ist unklar. Zumal es dem belagerten Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu bisher immer noch nicht gelungen ist, mit der Hamas fertigzuwerden – geschweige denn die verbliebenen israelischen Geiseln freizubekommen. Am Wochenende waren in Jerusalem und Tel Aviv erneut Zehntausende auf die Strasse gegangen. Die Demonstranten forderten unter anderem den Rücktritt des Regierungschefs.

Netanyahu steht seit geraumer Zeit unter grossem Druck. Seine amerikanischen Verbündeten stören sich an seiner Kriegsführung in Gaza. Zudem droht die Debatte um eine mögliche Wehrpflicht der Ultraorthodoxen seine rechts-religiöse Regierungskoalition zu sprengen. Wohl auch deshalb hat der Regierungschef am Sonntag eine neue Delegation zu den indirekten Verhandlungen mit der Hamas nach Kairo geschickt.

Die Gespräche um eine Waffenruhe und einen Gefangenenaustausch waren jüngst immer wieder an den unvereinbaren Positionen der beiden Seiten gescheitert. Ob sie diesmal zum Erfolg führen werden, ist fraglich. Die Hamas kündigte jedenfalls an, erst einmal keine eigenen Vertreter in die ägyptische Hauptstadt zu schicken.

Operation im Shifa-Spital beendet

Derweil ist Israels Militäroperation im grössten Krankenhaus des Gazastreifens am Montag zu Ende gegangen. Man habe die beteiligten Soldaten in der Nacht von Sonntag auf Montag aus dem Shifa-Spital abgezogen, sagte ein israelischer Militärsprecher. Seit sie am 18. März ins bereits zuvor umkämpfte Krankenhaus eingerückt waren, hatten sich die Einheiten laut israelischen Angaben dort schwere Gefechte mit der Hamas und anderen Palästinensergruppen geliefert.

Israel gab an, während der Militäroperation insgesamt 900 Verdächtige festgenommen zu haben. Bei 500 von ihnen handelt es sich angeblich um Mitglieder von Terrorgruppen. Zudem seien bei den Gefechten 200 feindliche Kämpfer getötet worden. Unter den Gefallenen und Verhafteten sollen sich auch hohe Kommandanten der Hamas und des Islamischen Jihad befinden. Die Hamas bestreitet diese Angaben.

Israels Armee betonte, die Operation im Shifa-Spital sei mit Rücksicht auf die Belegschaft und die Patienten durchgeführt worden. Mehrere Palästinenser vor Ort beschuldigten Israel laut der Nachrichtenagentur Reuters jedoch, Zivilisten umgebracht zu haben. Verifizieren lässt sich das nicht. In den sozialen Netzwerken tauchten Videos auf, die offenbar die Umgebung des schwer beschädigten Spital zeigen. Darin sind verbrannte Gebäude zu sehen, aber auch die Körper von getöteten Menschen.

Die israelische Armee wertet den Einsatz in al-Shifa als Erfolg. Andererseits zeigt er aber, wie schwer sich die Truppen damit tun, die Lage im Gazastreifen unter Kontrolle zu bringen. Die Gegend um das Krankenhaus galt eigentlich als gesichert. Die Armee hatte dort bereits im November eine Militäroperation durchgeführt. Während die erwartete Offensive gegen die Stadt Rafah im Süden immer noch aussteht, scheinen Hamas-Kämpfer auch im besetzten Norden des zerstörten Küstenstreifens längst wieder aktiv zu sein.

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