Thüringenwahl bei Lanz: "Ich bin Team Thüringen" - Voigt schließt Koalition mit BSW nicht aus

Thüringenwahl bei Lanz:
Durch: Politik Erstellt am: April 03, 2024 anzeigen: 50

Knapp ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Thüringen spricht sich CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt bei Markus Lanz für eine Deutschlandkoalition in seinem Bundesland aus. Er könne sich aber auch eine Zusammenarbeit mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht vorstellen.

Im September wird in Thüringen ein neuer Landtag gewählt. Nach Umfragen liegt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Björn Höcke klar vorn. Die CDU belegt den zweiten Platz, gefolgt von der Linken. Wäre es möglich, den Ministerpräsidenten direkt zu wählen, hätte Bodo Ramelow die besten Chancen. In der ZDF-Talkshow Markus Lanz sagt der CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt am Dienstagabend, welche Ziele er und die CDU verfolgen.

Klar ist: Voigt will Ministerpräsident werden. "Ich bin Team Thüringen und Voigt", beantwortet er die Frage nach seinem Wahlkampf. Eine Koalition mit AfD und Linken schließt er aus. Die Landtagswahl könne seine Partei gewinnen, "indem wir uns den Problemen der Thüringer widmen". Es gebe viel Frust, viel Ärger und viel Wut bei den Menschen in seinem Land, sagt Voigt, und den Wunsch nach Veränderung. Was er will: "Einen ordentlichen Wahlkampf führen, der vor allem eines deutlich macht: dass es um die stärkste Kraft in Thüringen geht."

Voigt will auf einen Wahlkampf setzen, in dem es um Themen gehe, die den Menschen auf den Nägeln brennen. Das habe zuvor auch in Sachsen-Anhalt und in Berlin funktioniert, so Voigt. "Weil die Menschen den Eindruck haben, es wird nur über Koalitionen geredet, aber nicht über die realen Probleme, die im Leben wirklich eine Rolle spielen."

Voigt weiß natürlich, dass er eine Koalition schmieden muss, wenn er die Regierung in Thüringen übernehmen will. Der CDU-Politiker setzt auf eine Deutschlandkoalition. Dazu müssten allerdings CDU und SPD deutlich zulegen, sagt er. Und die FDP überhaupt in den Landtag einziehen. Voigt kann sich aber auch eine Koalition mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht vorstellen, obwohl deren Abschneiden bei den Thüringen-Wahlen völlig ungewiss ist. Aber: "Da gibt es eine Spitzenkandidatin, das ist die Bürgermeisterin von Eisenach, die hat relativ gute Verhältnisse. Alles, was ich dort in Bereichen von Migrationspolitik oder von Wirtschaftspolitik höre, da habe ich den Eindruck, da ist mehr Realitätssinn drin als bei den Linken oder bei manchen Teilen der Grünen. Deswegen schaue ich mir erst einmal an, was die programmatisch wollen. Ausschließen tue ich das nicht", sagt Voigt.

Mehr Lehrer für Thüringen

Die Probleme der Menschen in Thüringen seien vielfältig: "Das Leben ist teuer geworden, ist komplizierter geworden. Mittlerweile fällt in Thüringen jede zehnte Unterrichtsstunde aus. Das nervt die Leute." Gerade im Bildungsbereich will Voigt einiges ändern: "Ich würde jedem, der in Thüringen das zweite Staatsexamen im Lehramt besteht, eine Jobgarantie geben. Das heißt, er kann sofort Lehrer werden. Das ist für uns ein dringendes Thema. Dann würde ich dafür Sorge tragen, dass es eine Lesen-Schreiben-Rechnen-Garantie gibt, also nach der vierten Klasse muss jemand die Grundschule in Thüringen beenden, wenn er lesen, rechnen, schreiben kann. Ich würde hergehen und Klärungen herbeiführen, wie wir Lehrer schneller gewinnen können, damit Lehrer vor der Klasse stehen."

Zudem würde Voigt dafür kämpfen, dass weniger Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. "Denn wofür muss ein Staat da sein? Ein Staat muss für Infrastruktur da sein, ein Staat muss für Sicherheit da sein, und er muss für eine ordentliche Bildungspolitik da sein. Das ist, was die Menschen sich wünschen." In Thüringen müsse es wieder vorwärtsgehen. Das wollten die Menschen, aber auch die in Thüringen ansässigen Unternehmen, fügt Voigt hinzu. Auch in Thüringen werde es in absehbarer Zeit einen deutlich spürbaren Fachkräftemangel geben. Darum spricht sich Voigt für Zuwanderung ausländischer Arbeitnehmer aus.

Doch da liegt das Problem. Denn genau das ist mit der AfD nicht zu machen. "Die stigmatisiert Leute, die tatsächlich Sorgen haben", kritisiert Voigt. Sein Anspruch sei hingegen, den Sorgen der Menschen Ausdruck zu verleihen.

Auseinandersetzung mit AfD

In der kommenden Woche wird sich Voigt zum ersten Mal in einem Fernsehduell öffentlich mit AfD-Landeschef Björn Höcke streiten. Vorab gab es an der Entscheidung viel Kritik. So riet der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, seinem Parteikollegen von dem Treffen ab. Mit dem Streitgespräch biete er dem AfD-Rechts-Außen eine öffentliche Plattform.

Voigt sieht das anders: "Ich versuche, meinen Kindern beizubringen, die Probleme direkt anzugehen. Und wenn die AfD die stärkste Kraft in meinem Heimatland ist, dann setze ich mich mit Höcke und seinen Ideen inhaltlich auseinander", sagt er.

Der stellvertretende Chefredakteur der ZEIT, Martin Machowecz, ist hinsichtlich der Diskussion hin- und hergerissen, ob er Mitleid mit Voigt vor diesem Termin haben oder Voigt für seinen Mut bewundern soll. "Wenn Sie es schaffen, Höcke in dieser Diskussion zu stellen, werden Sie viel Respekt einsammeln. Wenn Sie es aber nicht schaffen, dann möchte ich nicht in ihrer Haut stecken", sagt er zu Voigt. Doch er hebt auch hervor, dass es noch keinen "richtigen Schlüssel für den Umgang mit der AfD" gebe.

Für die Zeit nach der Diskussion wünscht er Voigt vor allem Ruhe. "Ich glaube, wir haben es alle miteinander verdient, dass wir eine Gelassenheit auch in solchen Diskussionen finden."

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