Künstliche Intelligenz: KI-basierte Predictive Economy verändert die Welt der Vorstände

Künstliche Intelligenz: KI-basierte Predictive Economy verändert die Welt der Vorstände
Durch: Wirtschaft Erstellt am: April 09, 2024 anzeigen: 18

Die Regeln der Predictive Economy Wie die KI-Wirtschaft die Welt der Vorstände verändert

Christoph H. Seibt
Eine Kolumne von Christoph H. Seibt
Künstliche Intelligenz und immer genauere Analyse- und Prognosemöglichkeiten schaffen in der Wirtschaft ganz neue Möglichkeiten; die Predictive Economy wird zum Megatrend dieser Dekade: Vorstände sollten ein paar zentrale Hinweise beachten.
Künftig KI-gesteuert? Lkw-Flotte in Logistikcenter

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koiguo / Getty Images

In der Produktion werden von Sensoren ermittelte Daten mit dem Standard verglichen, um Mängel zu vermeiden oder fehlerhafte Produkte frühzeitig auszusortieren. Anlagen melden via Datenabgleich rechtzeitig Wartungs- oder Ersatzbedarf und fordern Servicekräfte an. Personaleinsatz wird mittels prädikativer Datenanalyse gesteuert, die die Nachfrage entsprechend ökonomischer, politischer und saisonaler Entwicklungen vorhersieht. Konsumenten erhalten standortspezifische und personalisierte Angebote. Dies sind nur wenige Beispiele für einen Megatrend dieser Dekade: Predictive Economy.

Expertenrat
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Henning Kretschmer

Christoph Seibt ist Partner für Gesellschaftsrecht und M&A bei Freshfields, einer der kreativsten Wirtschaftsanwälte Deutschlands. Zudem lehrt er als Honorarprofessor an der Bucerius Law School.

Zur Kolumne „Expertenrat“

Was es in Digitalbranchen schon länger zumindest in Ansätzen gibt, erhält sektorübergreifend eine neue Bedeutung: Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) und des maschinellen Lernens kalkulieren mit hohen Datenmengen aus in der Regel verschiedenen Quellen Ereignisse und Ergebnisse; Manager können daran ihre Entscheidungen ausrichten. Damit sind vielfältige Vorteile verbunden: Vorausschauende, zielgruppenspezifische Angebote steigern Umsatz und Marge und sichern Kundenbindung. Frühe Fehlermeldungen ermöglichen schnelleren Service, die Lieferkette kann optimiert werden, genauso Logistik-, Lager- und Personalkosten. Diese neuen Möglichkeiten helfen, die Schwierigkeiten einer von Krisen, Ungewissheit und Komplexität geprägten (VUCA-)Welt auszugleichen.

Compliance by Design

Geschäftsleiter müssen die Predictive Economy in ihre Geschäftsmodelle integrieren und sollten vier Grundregeln beachten:

I. Der Vorstand hat die Pflicht, Unternehmensstrategie und Geschäftsmodell auf die Möglichkeiten der Predictive Economy zu überprüfen und oft genug neu auszurichten. Dabei wird eine der Kernfragen sein, wie das Unternehmen seine Monetarisierungsstrategie anpasst: Wofür bezahlen die Kunden? Möglicherweise ist die Auslizenzierung von Daten, sind Dienstleistungen oder individualisierte Angebote nach KI-generierten Parametern nachhaltig renditestärker als das Forcieren bisheriger Produktverkäufe. Der Vorstand muss entscheiden, welche Netzwerkpartnerschaften künftig strategisch wichtig sind. Im Aufsichtsrat bedarf es der Fachexpertise, um diese Strategic Review kritisch begleiten zu können.

II. Eine Besonderheit der Predictive Economy ist der hohe Grad der Regulierung. Die Anforderungen des Datenschutz- sowie des neuen KI-Rechts kommen zur traditionellen Produkt- und Branchenregulierung hinzu. Geradezu Pflicht ist es, diese Anforderungen bereits bei der Produktentwicklung zu berücksichtigen und sie vielleicht sogar zum integralen Produktbestandteil zu machen – kurz: „Compliance by Design“.

Diese frühe Integration der Compliance- und Risikofunktion in Forschung und Entwicklung sowie Produktdesign ist sinnvoll, da die Regulierung, etwa des Umgangs mit personenbezogenen Daten, Monetarisierungsoptionen und Markteintrittshürden beeinflusst. Compliance by Design ist Teil eines proaktiven Risikomanagements, das kostspielige Mängel, Verspätungsschäden und Sanktionen reduziert und die Reputation stärkt. Diese geschäftsmodellprägende Funktion des Datenschutz- und KI-Rechts erfordert neue Organisations-, Team- und Vergütungsstrukturen.

III. Predictive Economy ist Teil einer neuen Datenökonomie, die durch industrieüberschreitende Kooperationen im Rahmen von Plattformverträgen und Venture-Capital-Minderheitsbeteiligungen geprägt ist; bilaterale Joint-Ventures dagegen werden seltener. Für die Geschäftsleiter ist das Denken in Netzwerken und das Verständnis hoher Chancen- und Risikoabhängigkeit von den Partnern eine Schlüsselanforderung. Konnektivität mit den Partnerangeboten sollte in den Verträgen erleichtert werden, insbesondere durch vereinheitlichte technische Standards. Datennutzungsrechte müssen abgegrenzt, die Einnahmen aus der Datennutzung trennscharf aufgeteilt und Maßnahmen zur Vermeidung von Datenmissbrauch und Cyberattacken festgeschrieben werden. Bei Beteiligung von Wettbewerbern sind die kartellrechtlichen Grenzen beim Datenaustausch zu beachten.

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IV. Entscheidungen sind dann von einer persönlichen Haftung der Geschäftsleitung abgeschirmt, wenn sie auf „angemessener Information“ beruhen. Dieser Anforderung können die Geschäftsleiter durch den Einsatz von prädikativer Datenanalyse genügen, bei Strategieanpassungen ebenso wie bei Einzelinvestitionen – und in diesem Rahmen können die KI-Werkzeuge auch Bestandteil des neuen Produktangebots selbst werden.

Eine Pflicht zur Nutzung künstlicher Intelligenz gibt es noch nicht. Aber das wird sich voraussichtlich noch in der laufenden Dekade ändern.

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