Kuriose EM-Momente: Als sich der DFB mit dem Littbarski-Trick blamierte

Kuriose EM-Momente: Als sich der DFB mit dem Littbarski-Trick blamierte
Durch: Sport Erstellt am: Juni 09, 2024 anzeigen: 8

In einer Woche ist sie bereits gestartet - die Fußball-EM 2024. Und beim Blick zurück ist jede Vorfreude vollkommen berechtigt. Denn neben vielen sportlichen Höhepunkten schafften die Turniere auch stets eine Menge kurioser Momente.

"Eine Europameisterschaft stört doch nur!" Für den deutschen Bundestrainer Sepp Herberger war im Jahr 1960 die Sache klar: Ein Turnier ausschließlich unter Europäern brauche kein Mensch. Wie sehr sich der Weltmeister-Trainer von 1954 da doch irren sollte! Fast sieben Jahrzehnte später schauen wir auf eine wahre Erfolgsgeschichte voller packender Storys und einiger kurioser Anekdoten zurück. Und eine davon ist tatsächlich auch, dass Deutschland 1972 gleich bei seiner allerersten Qualifikation und Teilnahme Fußball-Europameister wurde. Solche Geschichten schreibt eben nur der Fußball!

Damals im Viertelfinale in England bekam die deutsche Elf übrigens in der 85. Minute einen Foulelfmeter zugesprochen. Eigentlich hätte nun der etatmäßige Schütze Gerd Müller antreten sollen, doch er fühlte sich an diesem Abend nicht besonders. Und so überließ er Günter Netzer die Kugel. Doch Bundestrainer Helmut Schön, der Mann mit Mütze, der zumeist recht entspannt an der Seitenlinie die Spiele verfolgte, war sichtlich nervös. Tatsächlich war er sogar so angespannt, dass er beim Hinsetzen die Bank verfehlte und sich der Länge nach hinlegte. Das alles bekam sein Spieler Günter Netzer am Elfmeterpunkt verwundert mit - und behielt doch die Nerven. Der Sieg in Wembley an diesem Abend im EM-Viertelfinale 1972 zählt zu den größten in der Geschichte des deutschen Fußballs.

"Montag schießt uns am Montag zum Titel!"

Bereits 1960 hatte sich eine kuriose Story in der Verlängerung des Endspiels zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien ereignet. Denn den Treffer zum entscheidenden 2:1 im Finale, das an einem Sonntagabend stattfand, schoss damals ein gewisser Viktor Ponedelnik. Was das Kuriose an diesem Tor war? Den Treffer erzielte der Russe nach Moskauer Zeit nach Mitternacht. Und da Ponedelnik auf Russisch Montag heißt, titelten die Zeitungen: "Montag schießt uns am Montag zum Titel!"

Richtig verrückt wurde es bei der EM 1968. Damals stand es bis zum Ende der Verlängerung im Halbfinale zwischen Italien und der Sowjetunion 0:0. Und da es ein Elfmeterschießen in diesen frühen Tagen der EM-Geschichte noch nicht gab, musste das Los bzw. ein Münzwurf entscheiden. Die Durchführung oblag an diesem Tag dem deutschen Schiedsrichter Kurt Tschenscher, der den Wurf in einem abgeschlossenen Raum in den Katakomben ausführte. "Man wählte nicht Kopf oder Zahl, sondern Ball oder Tor", erzählte der Schiri viele Jahre später einmal.

Als die Tür wieder aufgeschlossen wurde, standen die beiden Mannschaftskapitäne davor. Tschenscher teilte ihnen das Ergebnis mit, woraufhin der italienische Spieler sofort losraste und seinen Kameraden mitteilte, dass man im Finale stand. Hinterher in einer ruhigen Minute hatte der Schiri noch eine weitere tragische Geschichte für die Spieler der damaligen UdSSR parat: "Den Probewurf gewannen noch die Sowjets."

Peinliche Nummer um Littbarski

In unserer heutigen bunten Welt kann man es sich gar nicht mehr vorstellen, aber bei der EM 1984 regierte noch in vielen Wohnzimmer der Schwarz-Weiß-Fernseher. Und das brachte ungeahnte Probleme mit sich. Denn im Finale wollten die Franzosen in ihrem traditionellen Blau antreten und die Spanier in ihrem gewohnten Rot. Es kam während der Aussprache zwischen den Verbänden zu schweren Verwicklungen - und letztendlich konnte man sich nur darauf verständigen, dass die spanische Elf schwarze statt gelben Stutzen trug.

Bei der Heim-Europameisterschaft 1988 sorgte Deutschland für eine kuriose, aber auch ziemlich peinliche Geschichte. Damals stand auf dem offiziellen Aufstellungsbogen zur Halbfinalpartie gegen die Niederlande auch der Name Pierre Littbarski in der ersten Elf. Doch der Kölner sollte nicht spielen. Stattdessen hatte man angeordnet, dass Littbarski kurz vor der Begegnung so tun sollte, als ob er von einer plötzlichen Magenverstimmung heimgesucht worden wäre. Für den kleinen Dribbler wurde Frank Mill mit in die Startelf genommen. Und der wusste, wie er später zugab, auch schon am Vorabend von seinem Einsatz. Warum aber überhaupt dieser ganze Zirkus?

"So kann man das nicht machen"

Franz Beckenbauer war auch nach der Niederlage noch immer überzeugt, dass sein Plan aufgegangen war: "Wir wollten die Holländer verwirren. Als sie von Mills Einsatz erfuhren, lief ihr Co-Trainer ganz aufgeregt umher." Beobachter vor Ort sahen allerdings vor allem einen erbosten Bondscoach Rinus Michels: "So kann man das nicht machen. Denn wenn der Kranke doch noch eingesetzt wird, dann fällt das auf." Und dann setzte Littbarski schlussendlich dem Ganzen auch noch die Krone auf: "Ich bin erst krank geworden, als ich erfuhr, dass ich nicht von Beginn an spiele."

Doch es gibt sie auch, die schönen Geschichten der deutschen Nationalmannschaft bei Fußball-Europameisterschaften. So zum Beispiel 1996 als nach dem Sieg im Finale Bundeskanzler Helmut Kohl in die Kabine der Nationalmannschaft kam. Stefan Kuntz erinnerte sich einmal: "So etwas hatte ich noch nie gesehen. Das war ein riesiger Kerl mit einem riesigen Schädel. Und dann wollte er natürlich noch dem Bundestrainer gratulieren. Er schaut an sich herunter, beugt seinen Kopf nach links, nach rechts und fragt dann schon ein bisschen enttäuscht: 'Ja, wo ist denn der Berti?' Wir haben uns kaputtgelacht, denn der kleine Vogts stand direkt neben ihm und guckte ganz irritiert." Mehmet Scholl antwortet nach dem Spiel übrigens auf die Frage, wie es denn in der Kabine mit Helmut Kohl gewesen sei, gewohnt trocken: "Eng".

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Etwas unglücklich verlief bei der EM 2008 der Turnierstart für einen - nicht näher namentlich genannten - deutschen Journalisten. Als dieser bemerkte, dass er zu spät zu seinem Flugzeug kommen würde, rief er bei der Polizei an und warnte vor einer Bombe in der Maschine nach Wien. Der komplette Airport wurde daraufhin geschlossen. Als der Reporter nun schließlich am Flughafen ankam, strahlte er die Dame am Schalter an und sprach von "glücklichen Umständen", da er ja eigentlich den Flug gar nicht bekommen hätte, weil er zu spät gewesen sei. Die Frau wurde ob des komischen Verhaltens des Mannes misstrauisch und informierte die Polizei. Die kontrollierte daraufhin das Handy des Deutschen und landete einen Volltreffer. In der Eile hatte der Journalist doch tatsächlich vergessen, seine Nummer zu unterdrücken.

Und dann ist da natürlich auch noch die Geschichte von einem Profi, der 2016 bei der Europameisterschaft in Frankreich keine einzige Sekunde spielte - und dennoch allen Fußballfans auf ewig im Gedächtnis bleiben wird. Es handelt sich bei diesem Spieler natürlich um den legendären Nordiren Will Grigg. Der Gesang, der dem damaligen Profi von Wigan Athletic gewidmet wurde, klingt bis heute in den Ohren nach. Denn "Will Grigg's on fire, your defence is terrified" brachte damals ein eher atmosphärisch unterkühltes Fußballereignis wenigstens hier und da in Wallungen. Nananana …

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