Europawahl vor Turnierstart: Rechte Zweifel lasten auf der Heim-EM

Europawahl vor Turnierstart: Rechte Zweifel lasten auf der Heim-EM
Durch: Sport Erstellt am: Juni 10, 2024 anzeigen: 9

Wenige Tage vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland gewinnen vor allem rechte Parteien bei der Europawahl dazu. Das Turnier soll den Kontinent einen, kann es das schaffen?

Ein Europa. Ein Gefühl. Ein Fußball. Es ist nur eine Werbebande, die links vor dem Pressekonferenz-Pult im EM-Quartier vor Niclas Füllkrug steht. Doch nach dem Europawahlabend am Sonntag hat sie einen übertragenen Sinn. Bei der Wahl haben europaweit wenige Tage vor Turnierbeginn vor allem rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien dazugewonnen: In Österreich wird die FPÖ stärkste Kraft, in Frankreich die Le-Pen-Partei. Und in Deutschland haben fast 16 Prozent die AfD gewählt.

Er empfinde es als schwer, sich politisch zu äußern, sagt Füllkrug darauf angesprochen. "Ich möchte grundlegend jedem seine Meinung lassen." Er finde Beeinflussung ganz schlecht, was diese Themen angeht. Und doch bezieht er Stellung: "Grundsätzlich ist mir aber wichtig, dass wir im Fußball zumindest einmal vorleben, was wir für richtig halten oder das, was wir auch vorleben wollen." Eben Gemeinschaft.

Auf den Fußball kommt in diesem Sommer eine große Aufgabe zu. Die Europameisterschaft soll ein Fest der Demokratie werden. "United by Football, vereint im Herzen Europas", lautet das Motto. Die vier Wochen vom 14. Juni bis zum 14. Juli sollen den Kontinent einen, der schwierige Jahre hinter sich hat. Die Ausgangslage ist schwierig: Normalerweise geht die EU immer gestärkt aus Krisen hervor. Nach der Corona-Pandemie und dem russischen Angriff auf die Ukraine scheint diese Fähigkeit verloren gegangen zu sein. Bei den Wahlen gewinnen vor allem diejenigen, die sich weniger Europa wünschen.

Das neue Sommermärchen

Es ist fraglich, ob der Fußball diese Probleme allein lösen kann. Dass dieses Turnier politisch so aufgeladen ist, kommt gar nicht mal von außen. Es waren nicht Politikerinnen und Politiker, die das vorgegeben haben. Den großen Anspruch hat das Turnier aus sich selbst heraus entwickelt. EM-Direktor Philipp Lahm erinnerte immer wieder daran - zuletzt in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das Turnier solle "uns stärken. Uns, die für Demokratie, für freiheitliches Leben, für den Rechtsstaat sind".

Die Europawahl hat gezeigt, dass es dazu viel Arbeit braucht. Im Gastgeberland hat fast jeder Achte eine Partei gewählt, die eben nicht für diese Werte steht. Eine Partei, die laut Verfassungsschutz in Teilen gesichert rechtsextrem ist. Eine Partei, die sich selbst von beiden EU-Spitzenkandidaten distanzieren musste, weil sie möglicherweise Verbindungen nach Russland haben.

Mit dieser Feststellung kommen auch andere Fragen auf: Ist es okay, mit der deutschen Flagge herumzurennen? Oder sollte man das Symbol bewusst zeigen und gerade nicht dem rechten Rand überlassen? Eine Studie warnte nach der Heim-WM 2006, dass auch Party-Patriotismus ernste Folgen haben kann. Die Probleme des Landes kann man noch weiter spinnen: das rassistische Video aus Sylt, das kein Einzelfall war, der Messerangriff von Mannheim, Debatten über Abschiebungen nach Afghanistan.

Das passt nicht so richtig in den Sommer, der so märchenhaft werden soll, wie 2006 immer beschrieben wird. Damals, bei der Fußball-Weltmeisterschaft, war die Lage vor dem Turnierstart auch nicht einfach. Das Land hatte die Massenarbeitslosigkeit gerade überwunden, Debatten drehten sich um eine Leitkultur. Doch danach war davon keine Rede mehr.

Die Debatte um die Umfrage

Bei all den Problemen: Vielleicht kommt es deshalb auch zur richtigen Zeit. "Schon immer entwickelten Großereignisse, wo Millionen Menschen zusammenkommen, eine große Kraft", ist die Hoffnung von Turnierdirektor Lahm. Gleichwohl weiß er selbst, dass der Sport allein diese Dinge nicht stemmen kann. "Der Fußball ist kein Retter, aber er kann ein Mosaikstein sein, um die Dinge zu stärken, die uns wichtig sind", räumte er in der "FAZ" ein.

Bisher war es so, dass die politischen Probleme auch auf diejenigen zurückfallen, die einfach nur kicken wollen - das DFB-Team. Füllkrug muss jetzt Stellung zur Europawahl beziehen. Vor einer Woche war es die ARD-Umfrage, die Rassismus zutage trug, nach der sich 21 Prozent der Deutschen eine "weißere" Nationalelf wünschten. Damals gaben Bundestrainer Julian Nagelsmann und Joshua Kimmich deutliche Statements ab und lösten ihrerseits eine größere Debatte aus.

Am Ende bleibt nur die große Chance, die ein solches Turnier mit sich bringt - politisch wie sportlich. In welche Richtung es gehen kann, zeigt sich am Nachmittag in Herzogenaurach. Mitte März präsentierte der DFB die Trikots für die Heim-EM. Vor allem vom rechte Rand gab es große Empörung über das Auswärtstrikot - es war pink. Und nun, wenige Tage vor Turnierstart, ist das Dress beim öffentlichen Training allgegenwärtig, zeitweise war es sogar ausverkauft.

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