Anleihen: Kauffreude ungebremst

Anleihen: Kauffreude ungebremst
Durch: Börse Frankfurt Erstellt am: März 01, 2024 anzeigen: 11

„EZB wird sich bis Juni Zeit lassen“

Die neuesten Inflationszahlen boten keine großen Überraschungen, der Preisdruck lässt weiter nach. Der PCE-Index, bevorzugtes Preismaß der US-Notenbank, stieg im Januar nur noch um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Inflationsrate in Deutschland ging im Februar zurück auf 2,5 Prozent. Auch die Inflation in der Eurozone hat sich im Februar weiter abgeschwächt, wie heute bekannt wurde, und zwar auf 2,6 Prozent. Hier war allerdings nur mit 2,5 Prozent gerechnet worden.

Bei der kommenden Donnerstag anstehenden EZB-Sitzung wird noch nichts passieren, heißt es am Markt. Im Laufe des Jahres würden die Leitzinsen aber in jedem Fall sinken. „Allerdings sprechen die anhaltend starken Lohnerhöhungen dafür, dass sich die Notenbanker mit einer ersten Zinssenkung bis Juni Zeit lassen werden“, erklärt Commerzbank-Analyst Marco Wagner.

Was Staatsanleihen angeht, sieht Oechsner gute Nachfrage nach einer EU-Anleihe, die im November 2025 fällig ist und aktuell rund 2,9 Prozent abwirft (EU000A284451). Gesucht sei auch eine neue EU-Anleihe mit 3 Prozent bis 2034 (EU000A3K4ES4). Ebenfalls gefragt: italienische Staatsanleihen mit Fälligkeit 2035 und Kupon von 4 Prozent (IT0005508590).

Sixt nach Zahlen beliebt, Eon, VW und Grenke gefragt

Im Handel mit Unternehmensanleihen beobachtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Käufe für die bis 2029 laufende Sixt-Anleihe mit 3,75 Prozent-Kupon (DE000A3827R4). Der Autovermieter hat heute einen Rekordumsatz für 2023 gemeldet – und das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.

Ebenfalls gut an kämen Papiere von Eon (XS2574873266), VW (XS2374595127) und Grenke (XS2078696866) mit Laufzeiten bis 2028, 2025 und 2025 sowie Renditen von 3,24, 3,65 und 4,1 Prozent. „Schwerpunkt sind zwar weiter kurze und mittlere Laufzeiten, so mancher kauft aber auch lange Laufzeiten“, ergänzt Daniel. Beispiel ist die bis 2034 laufende EnBW-Anleihe mit aktueller Rendite von 3,88 Prozent (XS2722717555).

Krise bei Sensor- und Lichtkonzern AMS-OSRAM

Positive Analystenmeinungen führten laut Brunner zu Zuflüssen in Anleihen der niederländischen Medien- und Unternehmensgruppe Azerion (NO0013017657). Oechsner zufolge ist die 2028 fällige Siemens-Anleihe (DE000A1UDWN5) beliebt, mit aktueller Rendite von 2,95 Prozent. Ein Minus meldet der Steubing-Händler für Anleihen von AMS-OSRAM (USA0400QAK34). Der deutsch-österreichische Konzern hat gestern den Verlust eines wichtigen Großkunden gemeldet, es soll sich um Apple handeln.

Im Bereich der Mittelstandsanleihen konnten laut Brunner zwei Bonds des finnischen Finanzdienstleisters Multitude (NO0011037327, NO0012702549) deutlich zulegen. „Da könnten die abgeschlossenen Verkäufe des Deutsche Mittelstandsanleihenfonds (LU0974225590) hinterstecken“, vermutet Brunner.

Keine Erholung gibt es am Markt für Immobilienanleihen. Die stark in den USA engagierte Aareal Bank meldete diese Woche einen Gewinneinbruch und eine deutlich höhere Risikovorsorge. „Das Problem US-Gewerbeimmobilien bleibt“, bemerkt Rainer Petz von Oddo BHF. Die bei Oddo gehandelte, 2027 fällige Anleihe mit Kupon von 4,6 Prozent notiert aktuell um 40 Prozent (DE000A2DASM5).

TUI-Nachhaltigkeitsanleihe mit Nachschlag

Neu am Markt ist laut Daniel der Bond des westfälischen Anbieters von Gesundheits- und Schönheitsprodukten LR Health & Beauty mit 11,437 Prozent und Laufzeit bis 2028 (NO0013149658). „Das Interesse ist aber nicht sonderlich groß.“ Die Anleihe dient der vorzeitigen Refinanzierung einer 2025 fälligen Anleihe der Tochter LR Global Holding. Außerdem hat Reisekonzern TUI Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug im Volumen von 500 Millionen Euro (XS2776523669) auf den Markt gebracht, wie Petz erklärt. Ursprünglich sollten es nur 300 Millionen Euro sein, die Nachfrage war enorm hoch. Die Verzinsung liegt anfangs bei 5,875 Prozent und ist im Weiteren an Nachhaltigkeitsziele geknüpft. Sie steigt, wenn bestimmte CO2-Reduktionsziele nicht erreicht werden.  

Von Anna-Maria Borse, 1. März 2024 © Deutsche Börse AG

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