Kann KI auch Chefin?

Kann KI auch Chefin?
Durch: Wirtschaft Erstellt am: Juli 10, 2024 anzeigen: 9

Robo-Boss Kann KI auch Chefin?

Feedback geben, persönliche E-Mails formulieren, Budgets planen. KI kann Führungskräften etliche Aufgaben abnehmen. KI-Gründerin Annika von Mutius erklärt, wie Chefs und Chefinnen die Technologie einsetzen – und welche Grenzen sie kennen sollten.

Wie wird KI die Führung verändern? Welche Chefaufgaben lassen sich delegieren? Auch wenn einiges noch weit weg scheint: Künstliche Intelligenz bietet etliche Möglichkeiten, die eigenen Führungsqualitäten zu erweitern. Annika von Mutius hat zu Individualisierungsmodellen in der Mathematik promoviert und im Silicon Valley für ein Robotic-Start-up gearbeitet. Inzwischen hat sie selbst gegründet. Ihr Unternehmen Empion nutzt KI-Technologie, um Talente und Unternehmen zusammenzubringen. Im Podcast „Wegen guter Führung“ hat die KI-Gründerin drei Ideen geteilt, wie Führungskräfte die Technologie bestmöglich nutzen können:

1. KI als Coach: „KI kann ein objektiveres Feedback geben, als das ein Mensch tun könnte“, sagt von Mutius. Eine Leistungsbeurteilung von Mitarbeitenden erfolgt schließlich bestenfalls auf der Grundlage von Daten. KI-Technologie hilft perspektivisch, Daten zu sammeln, zu gruppieren und auszuwerten, sodass umfassendere 360-Grad-Bewertungen möglich werden. Das könnte die Akzeptanz von Feedback im Team sogar verbessern. Ein weiterer Vorteil: Mit KI können Mitarbeitende ihre Entwicklung stärker selbst in die Hand nehmen und sich zum Beispiel Rückmeldung zu einem Vortrag einholen oder andere Skills trainieren. KI könnte sich so zu einem Taschencoach entwickeln. „Bei privaten Themen ist die Skepsis gegenüber KI groß, wie Studien zeigen“, sagt von Mutius. „Im professionellen Umfeld ist diese Hemmschwelle deutlich geringer, mit KI zu interagieren."

2. Das große Aufräumen: Wer sich und sein Team auf technologische Sprünge vorbereiten will, sollte zwei Ebenen unterscheiden. Auf der operativen Ebene geht es darum, Mitarbeitende zu befähigen, verschiedene KI-Tools einzusetzen. „Hier habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, die KI so nahbar wie möglich zu gestalten. Das bedeutet zum Beispiel, schnelle Erfolgserlebnisse zu schaffen“, sagt von Mutius. Auf der anderen Seite müssten Führungskräfte Strukturen schaffen , um KI strategisch einzusetzen. Wer gute Ergebnisse erzielen und Bias vermeiden will, sollte Entscheidungen und Prozesse präzise analysieren: Wer ist beteiligt? Welche Kriterien spielen eine Rolle? Wie werden diese zum Beispiel auf einer Scorecard bewertet? „KI-Systeme können immer dann besonders performativ eingesetzt werden, wenn Unternehmen klare Entscheidungsstrukturen haben“, sagt von Mutius. Sie testet gerade ein Tool zur Budgetplanung, das saisonale Schwankungen und andere Ausreißer besser vorhersagen könne als menschliche Buchhalter. In einigen Unternehmen wird sogar schon der Robo-Boss ausprobiert , dort führt KI etwa Teams in der Produktion.

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3. Personalisierte Kommunikation: Generative KI kann Führungskräfte bei der Kommunikation unterstützen, indem sie Bedürfnisse von Mitarbeitenden analysiert und personalisierte Formulierungen vorschlägt. Im Marketing wird bereits ausprobiert, Kunden durch Hyperpersonalisierung  besser anzusprechen. Aber möchten Menschen so geführt werden? Zum einen gelten in der EU deutlich strengere Regeln der Mitbestimmung als in den USA, wo etliche Unternehmen bereits E-Mails nach Sprachmustern durchleuchten. Zum anderen können KI-generierte persönliche Mails auch Vertrauen kosten. „Eigentlich sind angepasste E-Mails und Formulierungen eine schlichte Personalisierung, kaum anders als bei individualisierten Müsli-Mischungen“, sagt von Mutius. „Andererseits kann solch maßgeschneiderte Kommunikation schnell den Eindruck erwecken, manipuliert zu werden.“ Fazit: Führungskräfte sollten transparent damit umgehen, wenn sie Tools nutzen, um Mails zu schreiben oder Gespräche vorzubereiten. Zudem sollten Sie überlegen, wo Mitarbeitende den Einsatz von KI als unangemessen empfinden könnten.

In der aktuellen Podcast-Folge von „Wegen guter Führung“ hören Sie, wie von Mutius KI für die Budgetplanung einsetzt und welche Tools sie noch nutzt.

Wegen guter Führung – Der ehrliche Führungspodcast
Foto: [M] Alexander Hagmann

Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, meldet sich alle zwei Wochen mit „Wegen guter Führung“. Sie spricht mit anderen Führungskräften und Expert:innen aus der Wissenschaft. Ehrlich, fundiert, offen und auch mal lustig. Sie teilt, was sie selbst gelernt hat, woran sie scheitert, und sie versucht, auch ihren Gästen zu entlocken, was sie sonst nur ihren Vertrauten verraten.

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In „Wegen guter Führung – der ehrliche Führungspodcast“ spricht Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, alle zwei Wochen mit Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Sport über Führung, Strategie und Management. „Wegen guter Führung“ erscheint 14-täglich hier sowie auf Spotify  und Apple  im Podcast.

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