Debakel, Demütigung, Abriss: Roger Schmidt bei Benfica nach 0:5-Pleite massiv unter Druck

Debakel, Demütigung, Abriss: Roger Schmidt bei Benfica nach 0:5-Pleite massiv unter Druck
Durch: Sport Erstellt am: März 04, 2024 anzeigen: 15

Roger Schmidt erlebt mit Benfica Lissabon beim 0:5 in Porto ein Debakel. Er kann mit dem Rekordmeister zwar weiterhin das Triple holen, doch nach der Demütigung nimmt der Druck zu. Obwohl die Ergebnisse bis vor kurzem noch gestimmt haben. Wie konnte es zum Stimmungsumschwung kommen?

Sein Gesicht sagte alles, obwohl sich so gut wie nichts darin regte. Wie versteinert verfolgte Roger Schmidt die Schlussphase seiner Mannschaft, sein Blick war starr, die Gedanken dagegen dürften umso mehr in Bewegung gewesen sein. In manchen Momenten wirkte es beinahe so, als stünde der Trainer von Benfica Lissabon unter Schock angesichts dessen, was sich da im Dauerregen vor seinen Augen abspielte. 0:5 ging sein Team am Sonntagabend beim FC Porto unter. 0:5. Ein Debakel, eine Demütigung, "ein Abriss", wie die Sportzeitung "A Bola" schrieb. "Ein Desaster", nannte es Schmidt selbst, viel mehr fiel ihm dazu erst mal auch nicht ein. Was hätte er auch groß sagen sollen? Selbst am Tag danach finden sich für den desolaten Auftritt des portugiesischen Rekordmeisters kaum Erklärungsansätze.

Rui Costa konnte nur um Entschuldigung bitten.

(Foto: IMAGO/Atlantico Press)

Was nun passieren wird und was schon in den ersten Momenten nach dem "Clássico" geschah, das weiß Schmidt dagegen ganz genau. Wie es mit ihm weitergeht, ob es mit ihm weitergeht, wollten die ersten Reporter bereits am Sonntagabend wissen. Schmidt wich den Fragen aus, auch Präsident Rui Costa wollte dazu erst mal nichts sagen. Einfach ist die Lage ohnehin nicht. Denn trotz des "desaströsen Abends" (Rui Costa) in Porto kann Benfica weiterhin bis zu drei Titel in dieser Saison gewinnen. In der Meisterschaft ist immer noch alles drin, im Europa-League-Achtelfinale kommen am Donnerstag die Glasgow Rangers und damit ein alles andere als unschlagbarer Gegner. Im Pokal steht Benfica schon im Halbfinale und kann nach der 1:2-Pleite im Hinspiel gegen Sporting Lissabon demnächst im eigenen Stadion noch den Finaleinzug schaffen. So weit, so gut. Eigentlich. Denn die Niederlage gegen Porto ändert nun die Statik.

Präsident bittet Fans um Entschuldigung

In Benficas nun 120-jähriger Geschichte war es erst das fünfte Mal, dass der Klub ein Liga-Spiel mit fünf Toren Unterschied oder noch höher verliert. Für Schmidt selbst war es die höchste Niederlage seiner nun mehr als eineinhalb Jahre in Lissabon, egal ob in der Liga oder international. Es scheint derzeit nur schwer vorstellbar, dass ein solches Debakel in einem so stolzen Verein wie Benfica Lissabon ohne personelle Konsequenzen bleibt, wie auch immer diese aussehen. Präsident Rui Costa bat die eigenen Anhänger in der Nacht in Porto sogar um Entschuldigung für den Auftritt ihrer Mannschaft. Schmidt selbst lehnte ein Pardon ab. "Wir haben das ja nicht mit Absicht gemacht", sagte der 56-Jährige. Rui Costa konnte die Begründung des Trainers verstehen. "Ich war selbst Spieler", sagte der Ex-Profi. "Ich weiß, dass die Spieler so etwas nicht mit Absicht machen."

Es passt zum Bild, was beide seit Schmidts Dienstantritt im Sommer 2022 abgeben. Was auch immer in dieser Zeit passiert ist, Costa stand stets hinter dem von ihm auserwählten Trainer. Im ersten Jahr jagte Benfica mit begeisterndem Offensivfußball zur ersten Meisterschaft seit vier Jahren und bis ins Viertelfinale der Champions League. "O grande Schmidt" (Der große Schmidt) wurde von zehntausenden Anhängern bei der Meisterparty im Stadtzentrum gefeiert, natürlich ließ sich auch Rui Costa gerne an der Seite des deutschen Trainers blicken.

Schmidt wird nie ein Klopp sein

Er wich Schmidt aber auch nicht von der Seite, als die berauschende Entwicklung erste Dellen bekam. Im Sommer nach dem Meisterjahr wurden Schlüsselspieler wie Alejandro Grimaldo oder Gonçalo Ramos verloren, zuvor war schon Weltmeister Enzo Fernández gegangen. Zwar wurden zum Teil teure Spieler nachverpflichtet, ein besonderes Händchen bewies Benfica bei seinen Transfers aber nicht. Ohne einen einzigen Sieg schied man schon in der Vorrunde der Königsklasse aus. Zudem fiel der gebürtige Sauerländer mit einigen unglücklichen Aussagen bei nicht wenigen Fans in Ungnade. Auch die Leistungen waren spätestens ab Herbst nicht mehr so begeisternd wie zuvor. Aber die Ergebnisse stimmten. Bis vergangene Woche.

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Dann verlor Benfica das Halbfinal-Hinspiel im Pokal gegen ein besseres Sporting, wie auch Schmidt nach dem Spiel zugab. Am Sonntag folgte nun das Debakel in Porto. Schmidt ist rational, intelligent und erfahren genug, um die Mechanismen des Profifußballs und eines so großen Klubs wie Benfica zu verstehen. Er hat sich nie der Illusion hingegeben und auch nicht versucht, dass die Menschen in Portugal ihn wegen seines Charakters oder wegen begeisternder Pressekonferenzen mögen. Roger Schmidt ist kein Jürgen Klopp und will das auch nicht sein. Im Gegenteil: Er hat die Anhänger mit seiner Art von Fußball überzeugt, und auch wenn sein packender Offensivstil in dieser Spielzeit nicht mehr so häufig zu sehen ist, hat er sie zumindest mit den Ergebnissen seit dem Königsklassen-Aus wieder von sich überzeugt. Aber was passiert nun, wo diese Ergebnisse zweimal in Serie gegen große Rivalen ausgeblieben sind?

Am heutigen Montag passierte zunächst mal: nichts. Schmidt kam wie gewohnt zur Einheit mit seiner Mannschaft ins Trainingszentrum in Seixal, seine nächste Pressekonferenz ist für den kommenden Mittwoch im Vorfeld des Achtelfinal-Hinspiels gegen die Glasgow Rangers angesetzt. Auch von Rui Costa war zunächst nichts mehr zu hören. Möglicherweise wird das Duell mit den Schotten zu einem richtungsweisenden für Schmidt. Bis 2026 hat der Ex-Coach von Bayer Leverkusen in Lissabon noch Vertrag, und es ist kein Geheimnis, dass er sich in Stadt und Klub wohlfühlt. Vor rund einem Jahr war es übrigens Rui Costa, der maßgeblich auf eine Ausdehnung von Schmidts Arbeitspapier bis 2026 gedrängt hatte. Weil er vom deutschen Trainer überzeugt ist, weil er mit ihm am liebsten eine Ära bei Benfica prägen möchte. Aber auch der 51-Jährige kennt die Mechanismen des Geschäfts. Und er kennt Benfica. Weshalb er ganz genau weiß, dass er nach einem 0:5 in Porto nicht einfach zum Tagesgeschäft zurückkehren kann.

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