Queerfeindliche Übergriffe in Berlin erreichen Höchststand

Das dem so ist, haben wir eigentlich schon geahnt. Zu den Zahlen kommen wir später. Was un sin erster Linie geschockt hat, sind wieder einmal die queerfeindlichen Kommentare von Menschen zu diesem Artikel, zum Beispiel in der Welt. Und, dass die Welt und andere Medien diese Kommentare, die man weitgehend als Hasskomentare bezeichnen kann, stets veröffentlicht, während man Kommentare zu brisanten politischen Themen, zum Beispiel auch Asyl, Staatsbürgerschaft meist sehr schnell unterbindet. “Die Kommentarfunktion ist geschlossen”, heisst es dann.

Wie dumm diese Kommentatoren eigentlich sind, zeigt sich meist in ihren Kommentaren. Währen sie meist dem rechte Spektrum nahestehen, dass ja durch den Islam, die Islamisierung und Scheinasyl ablehnt, finden sie, wenn es um Queer geht, diese queerfeindlichen Gruppen von Migranten plötzlich akzeptabel. Selbst Iran und Katar werden dann verteidigt.

Hier einige Kommentare zu diesem Thema:

Uwe Radke

Nur weil die grünen XIdiotenX auf diese Menschen stehen , muss der Rest der Stadt sich ja nicht damit abfinden. Wenn Schwule und Lesben , dann noch mit ihrem Verhalten provozieren , sind sie selber schuld.

Mike Hunter

Ists ein Wunder??? Wenn man sich dauernd derrmassen in den Vordergrund drängt. Es gibt halt noch Menschen die das nicht ständig an allen Ecken sehen wollen.

Jens Mader

Quere, Trans, Juden, Araber, Türken, das ist schon eine bunte, explosive Cuvee, die man da in Berlin gemischt hat und ungehemmt aufeinander los lässt. Ist doch klar, dass die Wattebällchenwerfer den Kürzeren ziehen.

Mike Hunter

Weil das uninteressant ist. Die Neue Herrenrasse ist Regenbogenfarben.

Hans Schledermann

Daß es LGBT-Personen gibt, mein Gott, so ist es nun
mal. Doch vielleicht sollten sie mal in der Öffentlich-
keit, natürlich sehr medienwirksam, etwas bescheidener und ruhiger auftreten. Als “Normalo”
bekomme ich ja schon fast ein schlechtes Gewissen.

Diese Kommentar sind einfach abartig.

Queerfeindliche Übergriffe in Berlin

    Man kann durchaus davon ausgehen, dass die meisten queerfeindlichen Übergriffe durch Menschen mit Migrationshintergrund stattfinden. Sicherlich auch deshalb, da unsere rechtsangehauchten “Brüder und Schwestern” eher zu anonymen Hasstiraden und grossmäuligen Äusserungen neigen. Erschrecken ist diese Entwicklung trotzdem, da Deutschland dadurch immer mehr den letzten Hauch einer freiheitlich Demokratie verliert.

    Und nun zu den eigentlichen Zahlen: Der kontinuierliche Anstieg von polizeilich registrierten und hassmotivierten Straftaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transpersonen (LGBT) in Berlin setzt sich weiter fort. 2020 wurden 377 Fälle erfasst, 2021 sogar 456 – der mit Abstand höchste jemals erfasste Wert in der Hauptstadt. Knapp die Hälfte der angezeigten Delikte sind Beleidigungen. Auch Gewalttaten kommen häufig vor. So lag der Anteil von Körperverletzungen und gefährlichen Körperverletzungen im vergangenen Jahr bei knapp 23 Prozent.

    Dies geht aus einer wissenschaftlichen Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die das Forschungsinstitut Camino im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung erstellt hat. Demnach findet sich ein geografischer Schwerpunkt der angezeigten Straftaten in Ausgehvierteln, die bei LGBT-Personen beliebt sind. An solchen innerstädtischen Szeneorten wird gleichgeschlechtliches Leben und Lieben besonders sichtbar. „Besonders der Ortsteil Neukölln, aber auch Friedrichshain und Kreuzberg fallen mit hohen Anteilen von Körperverletzungen und gefährlichen Körperverletzungen auf“, heißt es in dem Bericht. Berlin ist das einzige Bundesland, das die polizeilichen Daten in diesem Deliktfeld derart ausführlich auswertet.

    Entsprechende Straftaten werden insbesondere an den Wochenenden erfasst, mehr als die Hälfte der Vorfälle fanden abends und nachts statt. Die Auswertung bezieht sich auf Daten des Berliner Landeskriminalamts seit dem Jahr 2010. Zwischen 2010 und 2021 konnten insgesamt in rund 44 Prozent der Fälle Tatverdächtige ermittelt werden. Im vergangenen Jahr wurden bei nur 37 Prozent der Gewaltdelikte und bei nur 19 Prozent der online begangenen Straftaten Tatverdächtige ermittelt. Staatliche Stellen und Beratungseinrichtungen gehen bei den Gewalttaten zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

    Die Tatverdächtigen der homo- und transfeindlichen Straftaten sind mit durchschnittlich 90 Prozent über die Jahre 2010 bis 2021 ganz überwiegend männlich. Sie finden sich in allen Altersgruppen, viele sind jung. Im vergangenen Jahr war knapp die Hälfte der Tatverdächtigen unter 30 Jahre alt. Besonders auffällig: Knapp 28 Prozent waren im Alter von zehn bis unter 20 Jahren.

    In mehr als 22 Prozent der Fälle wurden die erfassten homo- und transfeindlichen Straftaten von mindestens zwei Tatbeteiligten begangen. Männer sind deutlich häufiger von Gewaltdelikten betroffen, der Anteil geschädigter lesbischer und bisexueller Frauen stieg zuletzt aber an. Drei Viertel der Tatverdächtigen war bereits zuvor polizeilich bekannt, überwiegend in der Allgemeinkriminalität ohne politische Bezüge.

    Auch die Staatsangehörigkeit der ermittelten Tatverdächtigen wird in den polizeilichen Statistiken erfasst. Zwischen 2010 und 2021 hatten 69,3 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft. Unter Berliner Einwohnern trifft dies auf 79,1 Prozent zu, nichtdeutsche Staatsangehörige sind demnach überrepräsentiert. Nach Deutschen folgen türkische (5,5 Prozent), syrische (2,8 Prozent) und polnische Tatverdächtige (2,6 Prozent). Bei 3,5 Prozent der Tatverdächtigen wurde die Staatsangehörigkeit als „unbekannt“ angegeben.

    Der öffentliche Raum „als Ort permanenter Bedrohung“

    Seit Mitte 2018 weist auch die Berliner Staatsanwaltschaft hassmotivierte Straftaten gegen LGBT-Personen explizit aus. Auch hier gibt es einen kontinuierlichen Anstieg der Verfahren, im vergangenen Jahr gingen bei der Staatsanwaltschaft 646 Fälle ein. Diese können sich teilweise auch noch auf das vorherige Jahr beziehen. Zudem kann die Staatsanwaltschaft auch ohne polizeiliche Vorermittlungen Ermittlungsverfahren einleiten. In den Verfahren mit ermittelten Tatverdächtigen wurde zu 15 Prozent ein Strafbefehl beantragt und zu 13 Prozent Anklage erhoben; ebenfalls 13 Prozent wurden mit anderen Verfahren verbunden. Rund 40 Prozent der Verfahren mit Tatverdächtigen wurden von der Staatsanwaltschaft wieder eingestellt.

    Von WELT nach dieser hohen Zahl gefragt, sagte Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) am Montag, dass es sein könne, dass Menschen ein Verhalten als herabwürdigend, diskriminierend oder gewaltförmig erlebt haben, aber das Recht zu einer anderen Einschätzung komme, was strafwürdig ist. „Das ist eben auch der Rechtsstaat, erst recht im Strafrecht: Es muss akribisch und genau geprüft werden, ob sich ein Straftatbestand verwirklicht hat oder eben nicht.“

    Das Forschungsinstitut Camino führte zudem eine standardisierte Befragung von 141 transgeschlechtlichen Berlinern durch. „Die Betroffenen beschreiben Gewalt und Diskriminierung zumeist als allgegenwärtigen, integralen Bestandteil des Transseins“, heißt es in der Studie. „Der öffentliche Raum wird durch viele Interviewte als Ort permanenter Bedrohung wahrgenommen.“ Viele Interviewte berichten zudem von einer familiären Ablehnung ihrer Transidentität sowie einer fehlenden Sensibilisierung im Gesundheitssystem.

    Im Januar dieses Jahres hatte das Berliner Anti-Gewalt-Projekt Maneo gewarnt, dass auch schwule und bisexuelle Männer von Zwangsverheiratungen, sogenannten Ehrenmorden und weiteren Formen von Gewalt im Namen der Ehre bedroht sind. „An unsere Beratungsstelle wenden sich regelmäßig schwule Männer, weil ihre Familien sie unter Druck setzen oder offen mit brutaler Gewalt drohen“, sagte Maneo-Leiter Bastian Finke damals. „Mit Druck und Gewalt wird Menschen das Selbstbestimmungsrecht entzogen, sich frei zu verlieben und eine wirkliche Liebesbeziehung einzugehen.“

    Maneo berät seit 1990 schwule und bisexuelle Männer, die von Gewalt betroffen sind. 2018 hatte Finke der „taz“ gesagt, dass es auch im bürgerlichen Bezirk Prenzlauer Berg böse Blicke gebe, die meisten Gewalttäter auf der Straße aber „testosteronaufgeladene Jungmänner aus bestimmten Problemkiezen“ seien, „um die sich viel zu wenig fachliche Einrichtungen mit zielgerichteten Angeboten kümmern“.

    WELT wollte von Justizsenatorin Kreck wissen, wie sie das Problem der „Ehrgewalt“ gegen Schwule bewertet. Mit Bezug auf ein Projekt, das eine temporäre Unterkunft für LGBT-Personen bietet, die sich aufgrund einer drohenden Zwangsverheiratung oder häuslicher Gewalt in einer Gefahrenlage befinden, sagte sie: „Wir haben erkannt, dass die Schutzwohnungen, die wir derzeit haben, unzureichend sind.“ Daher seien die Mittel im Doppelhaushalt für die Jahre 2022 und 2023 aufgestockt worden, sodass es nun eine weitere entsprechende Wohnung gibt. „Wegen der allgemein zu bekämpfenden Trans- und Homofeindlichkeit müssen wir lernen, noch besser hinzuschauen, was die Menschen zu Hause erleben“, so Kreck weiter. Von den Trägern AWO und Lesben- und Schwulenverband Deutschlands heißt es: „Die wenigen Plätze reichen bei Weitem nicht aus, um allen Menschen die ihnen zustehende, notwendige Sicherheit zukommen zu lassen.“

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