Zwischen sechs Monaten und vier Jahren: Stiko spricht sich für Covid-19-Impfung für vorerkrankte Kleinkinder aus

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, vorerkrankte Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren gegen Covid-19 zu impfen. Das Gremium erachtet auch die Immunisierung von Kindern in diesem Alter als sinnvoll, in deren Umfeld Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf der Infektion mit dem Coronavirus leben.

Die Stiko hat ihre neue Empfehlung zur Covid-19-Impfung von Kleinkindern am Donnerstagnachmittag im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) veröffentlicht.

Wie der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens in einem Pressegespräch vorab erklärte, könnte wegen der geringen verfügbaren Datenmenge keine Aussage zu seltenen Risiken der Impfung getroffen werden. Sie müssten gegen den Nutzen der Impfung abgewogen werden. Wie Mertens weiter sagte, prüfe die Stiko fortlaufend die Daten zu Kinderimpfungen. Eine Ausweitung der Empfehlung sei daher in Zukunft möglich.

Die Entscheidung der Stiko ist erwartbar gewesen und auch nachvollziehbar.

Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Zur Gruppe der Kinder mit Vorerkrankungen gehören insbesondere Frühgeborene, wie Stiko-Mitglied Martin Terhardt betonte. Diese Kinder seien besonders häufig von einem schweren Covid-19-Verlauf betroffen. Entscheidend seien bei ihnen die ersten zwei Lebensjahre, weshalb die Stiko für eine Immunisierung dieser Gruppe unter den Kindern plädiert. Auch Kinder etwa mit Trisomie-21, starkem Übergewicht, Tumorerkrankungen oder anderen Risikofaktoren sollten geimpft werden. Das sind etwa zehn Prozent der Kinder in der Altersgruppe von sechs Monaten bis vier Jahren.

Ende Oktober hatte die EU-Kommission zwei Impfstoffe der Hersteller Biontech und Moderna für Babys und Kleinkinder ab sechs Monaten zugelassen. Allerdings ist der Impfstoff Spikevax von Moderna in Deutschland derzeit in den geringeren für Kinder bemessenen Dosen kaum verfügbar.

Die Stiko hatte bereits empfohlen, Kinder ab fünf Jahren mit einer einmaligen Dosis gegen Sars-Cov-2 impfen zu lassen. Wie Terhardt sagt, seien aktuell 22 Prozent der Fünf- bis Elf-Jährigen mit einer Dosis gegen Covid-19 geimpft – was die Stiko sich allerdings anders wünschen würde: „Wir raten dazu, diese Impfung anzunehmen“, machte der Berliner Kinder- und Jugendarzt Terhardt deutlich. Doch auch bei der Corona-Impfempfehlung für Kinder im Grundschulalter war die Stiko anfangs zurückhaltend.

Die neue Entscheidung der Stiko sei „erwartbar gewesen und auch nachvollziehbar“, sagte Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin auf Nachfrage. Denn insbesondere Kinder mit Risikofaktoren seien gefährdet, einen schweren Verlauf der Infektion durchzumachen.

Auch sei die jetzige Stiko-Entscheidung im Hinblick auf den Schutz von Menschen mit erhöhtem Risiko im Umfeld verständlich. „Bei den genannten, besonders gefährdeten Gruppen, handelt es sich ja häufig um direkte Bezugspersonen wie Eltern oder Großeltern“, so Dötsch.

Dass der Impfstoff nicht an die Omikron-Variante angepasst ist, hält Dötsch für weniger entscheidend. „Der angepasste Impfstoff wirkt grundsätzlich weniger gut im Hinblick auf das Ansteckungsrisiko als erhofft.“ Viel wichtiger sei ohnehin der Schutz vor schweren Verläufen. „Dagegen schützt auch der ursprüngliche Impfstoff genauso gut.“

Wie Dötsch weiter sagte, werde zudem PIMS, eine schwere Entzündungsreaktion des Körpers nach einer Covid-19-Erkrankung, mit der nun verbreiteten Omikron-Variante kaum noch bei Kindern beobachtet. Und zur Zahl der von Long Covid betroffenen Kleinkinder gebe es derzeit keine zuverlässigen Daten. „Wir gehen allerdings davon aus, dass Long Covid in dieser Altersgruppe eine extreme Seltenheit darstellt.“

Zur Startseite

Vorheriger ArtikelFH-Promotionsrecht in NRW: Eine Blaupause für Berlin?
Nächster ArtikelDie Botschaft der Natur: Wieviel einklagbare Rechte haben Ökosysteme?